Pfeilgiftfrösche orten Artgenossen mit komplexen Mechanismen

23. Juli 2017, 16:26
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Wiener Forscher untersuchte, wie Frösche Entfernungen zu Konkurrenten oder möglichen Paarungspartnern einschätzen

Wien – Bisher war man davon ausgegangen, dass die Pfeilgiftfrösche die Entfernung zu Artgenossen nur anhand der Lautstärke ihrer Rufe wahrnehmen. Tatsächlich aber dürften die Tiere auch andere Informationsquellen eine Rolle spielen: Auch über Dämpfung und Hall erkennen die Amphibien, wie weit Rivalen oder mögliche Sexualpartnern entfernt sind, wie nun Wiener Forscher um Max Ringler im Fachjournal "Behavioral Ecology and Sociobiology" berichten.

Schall in komplexen Lebensräumen

Vögel und Säugetiere verlassen sich nicht nur auf die Lautstärke, um Entfernungen festzustellen, da diese vom Sender beeinflusst werden kann und somit zum Einschätzen von Distanzen unzuverlässig ist. Zusätzlich interpretiert werden Dämpfung und Hall des ausgesendeten Signals. Diese Charakteristika können entstehen, wenn sich Schall über einen komplexen Lebensraum ausbreitet – also etwa den Regenwald, die Heimat der Pfeilgiftfrösche.

Die starke Territorialität der Frösche lege die Vermutung nahe, dass auch sie Entfernungen von Artgenossen auf vielschichtige Weise feststellen, erklärte Ringler, der derzeit mit einem "Erwin Schrödinger Stipendium" des Wissenschaftsfonds FWF an der University of California Los Angeles (USA) forscht. Um dies zu untersuchen hat er in Französisch-Guyana männlichen Pfeilgiftfröschen der Art Allobates femoralis Rufe eines unbekannten Männchens vorgespielt – und zwar zu Beginn der Regenzeit, während der die männlichen Frösche besonders aktiv Paarungsrufe aussenden.

Rufe ohne Lautstärkeinformation

Die Rufe wurden in verschiedener Entfernung aufgenommen, aber dann auf einen gemeinsamen Pegel gebracht, um sie in gleicher Lautstärke abzuspielen. "Das Grundkonzept des Versuchs war, die Lautstärkeinformation zu entfernen und damit die natürlichen Unterschiede durch die Entfernung auszugleichen", so Ringler.

Hört der Territoriumsbesitzer einen solchen Ruf, vermutet er einen Eindringling und attackiert den Lautsprecher. Dabei reagierten die Frösche erheblich weniger auf weitentfernt aufgenommene Geräusche als auf solche, die in geringer Distanz aufgenommen wurde – und zwar unabhängig von der Lautstärke, in der sie abgespielt wurden.

Daraus schließen die Wissenschafter, dass die Lautstärke auch für Frösche nicht der einzig relevante Faktor ist, wenn es darum geht, durch akustische Einordnung die Distanz zu Artgenossen festzustellen. Das könnte die eindrucksvolle Orientierung der Tiere erklären, die möglicherweise eine mentale, geräuschbasierte Landkarte ihrer Umgebung erstellen. (APA, red, 23.7.2017)

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