Lungenkarzinom: Warum es zur Chemo-Resistenz kommt

    18. Juli 2017, 09:31
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    Tumorzellen schließen sich zum Schutz vor Chemotherapie zusammen und vermindern den Zutritt von Wirkstoffen, haben Forscher der MedUni Wien herausgefunden

    Wien – Beim fortgeschrittenen kleinzelligen Lungenkarzinom, kommt es etwa ein Jahr nach der erfolgreichen Behandlung mit einer zytotoxischen Chemotherapie und Bestrahlung zu einem Rückfall mit Tumorrezidiven, die resistent gegen weitere Chemotherapien sind. Die Überlebensdauer der Patienten beträgt dann zumeist nur noch wenige Monate.

    Bisher war völlig unbekannt, warum, diese Resistenzen entstehen. Forscher der MedUni Wien haben nun herausgefunden, dass sich zirkulierende Tumorzellen zusammenschließen und dadurch vorher chemo-sensitive Zellen zu chemoresistenten Zellverbänden werden.

    "Die zirkulierenden Tumorzellen schließen sich zum Schutz vor der Chemotherapie wie in einer Wagenburg zusammen und vermindern den Zutritt von Wirkstoffen", sagt Studienleiter Gerhard Hamilton. Diese "Aggregate" können hunderttausende Zellen umfassen, bis zu zwei Millimeter Durchmesser haben und sind bis zu achtfach resistent gegen Chemotherapeutika. – Auch deshalb, weil sich im Inneren des Aggregats eine Hypoxie (Sauerstoffmangel; Anm.) bildet und, weil diese Tumorzellen das Wachstum reduzieren und dadurch weniger sensitiv sind.

    Enzyme oder Inhibitoren könnten helfen

    Für ihre Studie kultivierten die Forscher erstmals und permanent zirkulierende Tumorzellen von Patienten mit fortgeschrittenem kleinzelligen Lungenkarzinom. Den Wissenschaftern gelang es dabei, sieben Zell-Linien aus Blutproben zu entwickeln und diese dann im Labor zu analysieren.

    "Damit ist es erstmals nach 30 Jahren Unklarheit in diesem Bereich gelungen, die Ursachen der Chemo-Resistenz zu entschlüsseln", sagt Hamilton. Die Wissenschafter wollen nun in weiteren Studien herausfinden, wie man diese Zellverbände entweder verhindern oder zerstören kann. Ein viel versprechender Ansatz sei es den Forschern zufolge, die Zell-Zusammenschlüsse mit Hilfe von Enzymen oder Inhibitoren aufzubrechen.

    15 Prozent der Menschen mit Lungentumoren haben das kleinzellige Lungenkarzinom. Zum Zeitpunkt der Diagnose hat der Krebs meistens bereits Metastasen gebildet und kann nicht mehr operiert werden – die Prognose der Betroffenen ist dementsprechend schlecht. (red, 18.7.2017)

    • Vor allem sehr starke Raucher sind vom kleinzelligen Lungenkarzinom betroffen.
      foto: apa/dpa/daniel karmann

      Vor allem sehr starke Raucher sind vom kleinzelligen Lungenkarzinom betroffen.

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