Skandal um Ölkonzern Baschneft: Rosneft auf Beutezug

17. Juli 2017, 19:23
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Milliardenprozess weckt Erinnerung an Yukos

Moskau – Will Igor Setschin etwas haben, dann bekommt er es auch. Der 56-jährige Präsident des Ölkonzerns Rosneft ist der mächtigste Mann Russlands – gleich nach Präsident Wladimir Putin. Vor gut zehn Jahren war er, noch als Vizechef der Kremladministration, der Drahtzieher hinter dem Fall von Yukos, auf deren Trümmern er dann die staatliche Rosneft aufbaute. Der neue Skandal um den Ölkonzern Baschneft ist ein Paradebeispiel für die Machtfülle und Unersättlichkeit Setschins, der einst als "Schatten Putins" galt.

Der Prozess wird um Baschneft geführt, den Rosneft 2016 für knapp fünf Milliarden Euro vom Staat gekauft hat. Rund die Hälfte der Summe will Setschin nun vom Mischkonzern Afk Sistema einem früheren Vorbesitzer, zurück. Sistema habe damals Aktiva aus dem Konzern herausgelöst, so der Vorwurf. Da der Rubel seit 2014, der Zeit, aus der die Vorwürfe stammen, gefallen ist, soll Sistema die Kursdifferenz bezahlen.

Sistema weist alle Vorwürfe zurück: Die Restrukturierung sei nicht zum Nachteil Baschnefts verlaufen, sondern zielte im Gegenteil darauf ab, vor dem damals geplanten SPO den Marktwert des Unternehmens durch eine Entflechtung der verschiedenen Überkreuzbeteiligungen zu erhöhen, sagte Sistema-Präsident Michail Schamolin dem STANDARD. "Es gab einen Tausch: Baschneft hat Aktien von Sistema-Invest zurückgegeben, Sistema-Invest seinerseits Baschneft-Aktien und so wurden Aktiva und Verbindlichkeiten gleichmäßig aufgeteilt."

Unsichtbare Verluste

Marktkapitalisierung und Gewinn litten unter der Maßnahme nicht. "Die Ausgliederung der nicht zum Kerngeschäft gehörenden Aktiva und die größere Transparenz vor dem IPO waren sinnvoll", sagt Energieexperte Sergey Rozhenko. Auch Juristen bewerten die Klage als fragwürdig. Rosneft wurde nicht geschädigt und die Rubelabwertung sei kein Grund zur Anhebung von Forderungen, schließlich handle es sich um einen Prozess in Russland.

Das Gericht ist auf Seiten Rosnefts: Schon vor dem Urteil ließ es Aktien von Sistema beschlagnahmen und rief so massive Verluste hervor. Am Montag musste Sistema technische Insolvenz erklären. Energieexperte Konstantin Simonow bewertet die Konfiskation als "Demonstration der Stärke". Er habe kaum noch Zweifel am Prozessausgang, sagte er. Experten warnen unterdessen vor einer weiteren Eintrübung des Investitionsklimas in Russland. Potenzielle Investoren werden durch die rüde Rosneft-Attacke auf die Konkurrenz sicher nicht motiviert, nach Moskau zu gehen. (ab, 17.7.2017)

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