OECD: Österreich ist bei der Digitalisierung hintennach

17. Juli 2017, 18:47
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Österreichs Betriebe und Beschäftigte hinken im internationalen Vergleich deutlich hinterher

Wien – Seit einiger Zeit lassen sich Politiker immer öfter mit Gründern von jungen, hippen Start-ups ablichten. Die Digitalisierung hat es in der politischen Agenda weiter nach oben geschafft. Dafür ist es auch höchst an der Zeit, wie ein geradezu vernichtender Bericht der OECD, einer Denkfabrik der reichen Industrieländer, nahelegt.

Nicht nur viele österreichische Firmen, sondern auch Beschäftigte und Schulabgänger sind demnach alles andere als gut auf die Herausforderungen der kommenden Jahre vorbereitet. Zwar hat sich die Lage in den vergangenen Jahren in vielen Bereichen verbessert. Der Abstand zu anderen Ländern und den Spitzenreitern aus Skandinavien ist aber sogar gestiegen. Aber der Reihe nach. Woher kommen die Zahlen überhaupt?

Die OECD legt jedes Jahr einen Länderbericht für ihre Mitgliedsstaaten vor. Er soll der Politik als Spiegel dienen und Ideen und Best practices liefern. Zahlreiche Experten der Pariser Organisation arbeiten an der Analyse, die im aktuellen Fall über 140 Seiten stark ist. Ein knappes Drittel hat die OECD diesmal dem Umgang mit dem digitalen Wandel gewidmet.

KMUs sind hintennach

Dabei stellt sich heraus, dass die im internationalen Vergleich vielen kleinen Firmen mit zum Beispiel 20 oder 30 Mitarbeitern dem Land zumindest in puncto Digitalisierung auf den Kopf zu fallen scheinen. Sie hinken besonders hinterher, während die großen Firmen des Landes auf der Höhe der Zeit sind, schreibt die OECD.

Große Firmen -- definiert als jene mit mehr als 250 Mitarbeitern -- machen doppelt so häufig relevante Umsätze durch das Internet. Weil es in Österreich aber im Vergleich nicht sehr viele große Firmen gibt, sind die allgemeinen Zahlen nicht sehr rosig. So machen nur 15 Prozent der Firmen im Land mehr als ein Prozent ihres Umsatzes online. In Dänemark und Schweden sind es 25 Prozent.

Besonders der so wichtige Tourismus liegt in Österreich weit zurück. Dort machen zwar bereits 30 Prozent der Anbieter mehr als ein Prozent ihres Umsatzes online, die skandinavischen Länder kommen hier aber auf 70 Prozent.

Auch beim Zugang zu schnellem Internet hinkt Österreich hinterher – was Innovationen behindern könne, schreibt die OECD. In Dänemark und Schweden hat jede vierte Firma einen Internetzugang mit mehr als 100 Megabit pro Sekunde. Damit lassen sich zum Beispiel ganze Filme in bester Qualität in wenigen Minuten herunterladen. In Österreich kommt nur eine von zehn Firmen auf so einen schnellen Zugang zum Internet.

Nur 20 Prozent der Firmen nutzen eine Cloud, also eine digitale Infrastruktur, in der nicht alle Programme und Dokumente auf jedem PC einzeln gespeichert werden müssen. In Finnland nutzen das Angebot fast drei Mal so viele Firmen. Auch bei der Industrie 4.0 ist Österreich hintennach.

Aber nicht nur Firmen, auch Arbeitnehmer und Schulabgänger haben teilweise noch einiges an Nachholbedarf. Zwar sind Junge allgemein im Umgang mit neuen Technologien so versiert wie in den Vorreiterländern. Wer aber keine Matura hat, hinkt in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern viel stärker hinterher.

Türen für Gründer öffnen

Die Österreicher müssen sich aber nicht nur im Büro gedulden, wenn sie im Internet surfen. Auch zuhause ist ihr Zugang zum Internet ungewöhnlich langsam. Im Schnitt kommt ein Haushalt auf 65 Megabit pro Sekunde. Das liegt unter dem OECD-Schnitt von 77 Megabit und weit hinter dem Spitzenfeld: Japan liegt bei 166 Megabit, Schweden bei 240 Megabit.

Was also tun? Mehr in den Ausbau der Infrastruktur stecken, so die OECD. Es müsse auch einfacher werden, eine Firma zu gründen. Neue Gründer seien meist näher am Puls der Zeit. (sat, 17.7. 2017)

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