Gehen auch Sie manipulierten Fotos auf den Leim?

18. Juli 2017, 07:00
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Britische Forscher legten Probanden Fotos vor, die zum Teil digital bearbeitet waren. Nur selten wurden die Fehler entdeckt. Gelingt es Ihnen besser?

Coventry – Dass wir angeblich im postfaktischen Zeitalter leben, hat nicht zuletzt mit der Digitalisierung zu tun. In den sozialen Medien kann theoretisch jeder zum Nachrichtenproduzenten werden, und sei es nur mit Fake News. Doch nicht nur Texte könnten "alternative Fakten" verbreiten, das geht natürlich auch mit digital manipulierten Bildern. Und allem Anschein nach sind wird gar nicht gut darin, solche Manipulationen zu erkennen, wie Forscher der britischen Universität Warwick im Fachblatt "Cognitive Research" berichten.

Bereits frühere Studien mit computergenerierten Bildern hatten gezeigt, dass viele Menschen Ungereimtheiten bei geometrischen Formen nicht erkennen können. Die WIssenschafter um Derrick Watson wollten nun wissen, wie gut Menschen Manipulationen auf echten Alltagsfotos identifizieren.

Machen Sie den Selbsttest!

Bei einem der Experimente legten die Forscher 707 Probanden jeweils zehn Fotos vor, davon fünf echt und fünf verfälscht. Eines der Fotos sehen Sie hier:

foto: sophie nightingale, cognitive research, 2017
Ist dieses Foto manipuliert oder nicht? Wenn ja, finden Sie die Veränderungen! (Auflösung weiter unten.)

Die Versuchsteilnehmer sollten sagen, ob das Bild manipuliert wurde. In 66 Prozent der Fälle lagen sie dabei richtig, wobei die Probanden bei Originalen besser abschnitten. Wenn alle nur geraten hätten, wäre die Quote bei 50 Prozent gelegen. War den Probanden ein verfälschtes Bild aufgefallen, sollten sie den Fehler in einem Raster von drei mal drei Teilbildern lokalisieren. Das gelang nur in 45 Prozent der Fälle. Teilnehmer erkannten physikalisch nicht plausible Veränderungen etwas besser als physikalisch plausible.

Skepsis hilft beim Fehlererkennen

Bei einem zweiten, ähnlich aufgebauten Experiment fanden die Forscher – nicht ganz überraschend – heraus, dass die Fälschungen umso eher erkannt wurden, je mehr Bildpixel von den Manipulationen betroffen waren. Zudem waren Probanden wesentlich besser darin, eine Verfälschung in einem Bild gezielt zu finden, als generell ein manipuliertes von einem echten Bild zu unterscheiden. Probanden mit einer skeptischen Grundhaltung gegenüber der Echtheit von Bildern schnitten in den Experimenten ein wenig besser ab.

"Bilder haben einen starken Einfluss auf unsere Erinnerungen", resümiert Ko-Autor Watson. Wenn also Menschen nicht zwischen realen und gefälschten Details in Fotos unterscheiden können, könnten Manipulationen häufig verändern, was wir glauben und woran wir uns erinnern." (red/APA, 18.7.2017)

P.S.: Und hier die Auflösung des Bildrätsels von oben anhand des unmanipulierten Fotos:

foto: sophie nightingale, cognitive research, 2017
Das Original macht die Manipulationen offensichtlich: Eingebaut wurde ein Boot, die Zähne sind gebleicht, drei Stücke vom Wald wurden verändert: eines links vor dem Himmel, eines am Ufer und eines über der Manipulation am Ufer.
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