225.000 Rohingya von Hungersnot bedroht

18. Juli 2017, 10:00
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Welternährungsprogramm veröffentlicht Bericht zur Not der Staatenlosen in Myanmar

Naypyidaw/Wien – Im kommenden Jahr werden mehr als 80.000 Kinder unter fünf Jahren im Westen Myanmars medizinische Hilfe wegen akuter Unterernährung brauchen. Das geht aus einem Bericht des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen vom Montag hervor.

Die Erkenntnisse stützen sich auf Untersuchungen in Dörfern von Angehörigen der muslimischen Minderheit Rohingya, die sich im westlichen Bundesstaat Rakhaing befinden. Seit Herbst waren rund 90.000 Angehörige der staatenlosen Bevölkerungsgruppe vor brutalen Aktionen des myanmarischen Militärs geflohen.

Keine Nahrungsmittel im Haushalt

Die verbleibenden Rohingya stehen vor einer Hungerkrise. Zahlreiche Familien haben keine Nahrungsmittel im Haushalt, oder die Familienmitglieder haben mindestens 24 Stunden nichts gegessen. Jeder vierte Haushalt wird von einer Frau allein geführt, weil die Männer als mutmaßliche Terroristen von den Behörden verschleppt wurden. Vor allem in diesen Haushalten fanden die UN-Mitarbeiter Familienmitglieder, die unter schwerem Hunger litten. Kein einziges der untersuchten Kinder zwischen sechs und 23 Monaten hatte eine ausreichende Ernährung erhalten.

Die Nahrungsmittelpreise in den Gebieten der Rohingya sind gegenüber Anfang 2016 um mehr als sieben Prozent gestiegen, während die Kaufkraft um 44 Prozent gesunken ist. Laut dem Welternährungsprogramm werden insgesamt 225.800 Menschen humanitäre Hilfe brauchen.

Von Staatsbürgerschaft ausgeschlossen

Die Rohingya werden von den myanmarischen Behörden als "illegale Immigranten" angesehen. Sie haben keine Möglichkeit, die Staatsbürgerschaft zu erlangen, und sind somit Staatenlose. Im Oktober des Vorjahrs hatten militante Rohingya einen Grenzposten angegriffen. Als Reaktion darauf ordnete die Regierung Luftangriffe auf die Dörfer der muslimischen Minderheit an und stürmte die Häuser mit militärischer Gewalt. Die Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi wurde international heftig für dieses Vorgehen kritisiert. (bbl, 18.7.2017)

  • Keines der Kinder, die von den UN-Mitarbeitern untersucht worden waren, hatte eine ausreichende Ernährung erhalten.
    foto: ap

    Keines der Kinder, die von den UN-Mitarbeitern untersucht worden waren, hatte eine ausreichende Ernährung erhalten.

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