Streit um Metalldetektoren auf dem Tempelberg

17. Juli 2017, 21:49
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Protest gegen verschärfte Sicherheitsmaßnahmen in Jerusalemer Altstadt nach Attentat auf israelische Polizisten

Relativ ruhig blieb es die meiste Zeit rund um den Tempelberg in Jerusalem, nachdem der Zugang zu der heiligen Stätte am Sonntag wieder möglich geworden war – doch wegen der Einrichtung zusätzlicher Sicherheitskontrollen durch die israelische Polizei lag weiterhin Spannung in der Luft. Funktionäre der muslimischen Wakf-Stiftung, die die Moscheen auf dem Tempelberg verwaltet, sahen in den Maßnahmen einen Eingriff in die bisher geltenden Arrangements. Von israelischer Seite heißt es, Muslime könnten wie bisher in dem Areal beten – es sei aber notwendig, dafür zu sorgen, dass keine Waffen auf den Tempelberg gelangen.

Freitagfrüh hatten drei israelische Araber, die bewaffnet vom Tempelberg gekommen waren, in der Altstadt zwei israelische Polizisten erschossen, und waren dann auf den Tempelberg zurückgelaufen, wo sie bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet wurden.

Israel hatte danach für rund 50 Stunden den Zugang zu dem Plateau gesperrt, vor allem zu dem Zweck, die Moscheen und die angeschlossenen Büros nach Waffen zu durchsuchen. Bis zuletzt war nicht klar, ob die drei Attentäter, die in Nordisrael zu Hause waren, die Waffen mitgebracht oder von Komplizen auf dem Tempelberg bekommen hatten.

Kameras und Detektoren

Bei jenen den Muslimen vorbehaltenen Zugängen, die am Sonntag wieder geöffnet wurden, wurden nun Metalldetektoren aufgestellt. Geplant ist auch der Einbau zusätzlicher Überwachungskameras. Bei dem einzigen Zugang, der für Juden und andere Nichtmuslime vorgesehen ist, gab es von jeher schon Metalldetektoren, weil man eventuelle Gewalttaten jüdischer Extremisten gegen die Moscheen befürchtete.

Israels Premier Benjamin Netanjahu hatte betont, dass "unsere Politik der Bewahrung des Status quo" fortgesetzt werden soll. Doch Wakf-Funktionäre riefen den muslimischen Gläubigen zu, sie sollten die Metalldetektoren nicht durchschreiten. "Wir machen die israelische Regierung für unsere Entfernung von der Al-Aksa-Moschee verantwortlich", sagte Omar Al-Kiswani, der Direktor der Moschee; "wir werden nicht zulassen, dass der Status quo verändert wird." Ein Teil der Gläubigen ging trotzdem durch die Metalldetektoren weiter, andere formierten sich demonstrativ auf der Außenseite zum Gebet. Am Montag rief der Wakf in einem schriftlichen Statement die Muslime dazu auf, "alle israelischen Aggressionsmaßnahmen zu boykottieren" und nicht zur Al-Aksa-Moschee zu gehen, sondern "in den Straßen von Jerusalem zu beten". Von der israelischen Polizei hieß es, Metalldetektoren seien heutzutage allgemein üblich, etwa vor Einkaufszentren und auf Flughäfen.

"Jeder wird kontrolliert"

Sowohl von palästinensischer als auch von israelischer Seite hörte man den Einwand, dass Massen von Hunderttausenden von Gläubigen, wie sie manchmal zum Freitaggebet auf dem Tempelberg zusammenkommen, nicht durch Metalldetektoren geschleust werden können. Israels Sicherheitsminister Gilad Erdan blieb aber dabei, dass Detektoren an allen Zugängen aufgestellt werden sollen, "und jeder, der hineingeht, wird kontrolliert". (Ben Segenreich aus Tel Aviv, 18.7.2017)

  • Demonstrative Weigerung: Einige Muslime wollten nicht durch die Metalldetektoren gehen, um zur Al-Aksa-Moschee zu gelangen – und beteten kurzerhand auf der Straße.
    foto: afp

    Demonstrative Weigerung: Einige Muslime wollten nicht durch die Metalldetektoren gehen, um zur Al-Aksa-Moschee zu gelangen – und beteten kurzerhand auf der Straße.

  • Am Montagabend kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen am Löwentor (Bild) in der Jerusalemer Altstadt. Palästinenser bewarfen israelische Polizisten mit Steinen, diese antworteten mit Gummigeschoßen.
    foto: ap/mahmoud illean

    Am Montagabend kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen am Löwentor (Bild) in der Jerusalemer Altstadt. Palästinenser bewarfen israelische Polizisten mit Steinen, diese antworteten mit Gummigeschoßen.

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