Hypnose-Experiment: "Brett vorm Kopf" erschwert die Sicht

23. Juli 2017, 14:41
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Suggerierte Sichtbehinderung beeinträchtigt Verarbeitungsprozesse im Gehirn

Jena – Mit einem Experiment zur visuellen Wahrnehmung wollten deutsche Forscher nicht nur testen, wie wirksam Hypnose ist. Vor allem ging es ihnen darum, weitere Hinweise darauf zu finden, warum und wie Hypnose überhaupt wirken könnte, berichtet die Universität Jena.

Auf dem Weg zu einer seriösen Hypnoseforschung

"Bis in die 1920er Jahre hinein gehörte Hypnose durchaus zur medizinischen Ausbildung und auch heute wird sie wieder in der Anästhesie eingesetzt", sagt der Jenaer Forscher Wolfgang Miltner. Leider gebe es zu viele esoterische Spekulationen zu diesem Thema, so dass sich Wissenschafter auf dem Gebiet häufig mit Skepsis konfrontiert sehen – und das habe dazu geführt, dass Hypnose nach wie vor nicht ausreichend erforscht ist.

"Wir müssen nicht mehr zeigen, dass Hypnose wirksam ist, denn das ist bewiesen. Es gilt vor allem herauszufinden, warum und wie solche merkwürdigen Wahrnehmungsveränderungen bei hypnotisierten Menschen möglich sind", sagt Miltner. "So wollen wir eine seriöse Hypnoseforschung etablieren."

Das Experiment

Für ihr Experiment teilten die Jenaer Psychologen Probanden in drei Gruppen ein: Personen, die sehr suggestibel, also empfänglich für Hypnose, sind, und solche, bei denen dies nur mittelmäßig oder wenig der Fall ist. Den Probanden wurden dann, während sie sich in Hypnose befanden, verschiedene Symbole gezeigt.

Versuchsleiterin Barbara Schmidt erklärt: "Die Testpersonen bekamen dabei die Aufgabe, ein bestimmtes Symbol zu zählen, sich also darauf besonders zu konzentrieren. Gleichzeitig sollten sie sich ein Brett vor ihren Augen vorstellen." Die suggerierte Sichtbehinderung führte laut Schmidt dazu, dass sich die Anzahl der Zählfehler erheblich erhöhte." Die Effekte zeigten sich in allen drei Testgruppen, am stärksten ausgeprägt allerdings bei den besonders gut hypnotisierbaren Probanden.

Verarbeitungsprozesse beeinträchtigt

Um auch die Hirnaktivitäten beobachten zu können, waren die Testpersonen an einen Elektroenzephalographen (EEG) angeschlossen. "Betrachten wir die dabei entstandenen neuronalen Vorgänge des Gehirns bei der Verarbeitung der Symbole, dann erkennen wir etwa 400 Millisekunden, nachdem die Probanden das besonders zu beachtende Symbol gesehen haben, eine extrem reduzierte Hirnaktivität, obwohl sie normalerweise sehr hoch sein müsste", sagt Schmidt. "Kurze Zeit vorher – bis 200 Millisekunden nach der Präsentation des Reizes – zeigen sich jedoch keine Auffälligkeiten."

Die Forscher schließen daraus, dass die einfache Wahrnehmung noch stattfindet, tiefere Verarbeitungsprozesse wie etwa das Zählen aber stark beeinträchtigt sind. Das ermöglicht Rückschlüsse darauf, wie die Hypnose einzelne Regionen im Gehirn bei der visuellen Reizaufnahme beeinflusst. Weitere Versuche sollen folgen, dann wird es um den Einfluss von Hypnose auf die akustische Wahrnehmung und auf das Schmerzempfinden gehen. (red, 23. 7. 2017)

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