Federer: "Ich war immer ein Big-Stage-Player"

17. Juli 2017, 12:58
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Schweizer Rekordsieger fühlt sich auf den großen Tennisbühnen pudelwohl – Garantie auf Rückkehr nach Wimbledon gibt es keine: "Speziell nicht mit 35"

London – Die ersten drei Grand-Slam-Turniere 2017 sind Geschichte. Mit Roger Federer bei den Australian Open und in Wimbledon sowie Rafael Nadal bei den French Open haben sich jene Spieler durchgesetzt, die nach ihren langen Auszeiten im Vorjahr schon abgeschrieben worden waren. Federer, der am 8. August 36 Jahre alt wird, hat sich nach Nadal als zweiter Spieler schon für das ATP-Saisonfinale qualifiziert.

Sein in dieser Form nicht für möglich gehaltenes Comeback hat Federer in diesem Jahr also schon zwei Major-Titel eingebracht. Davor hatte er zuletzt in Wimbledon 2012 triumphiert, viele Beobachter hatten ihm den 18. oder gar 19. Grand-Slam-Titel nicht mehr zugetraut.

wimbledon

"Ich habe fest daran geglaubt. Aber es war auch wichtig, dass mein Team und mein Umfeld immer daran geglaubt haben. Wenn du zweifelst, beruhigen diese Leute dich, wenn du dich zu gut fühlst, holen sie dich wieder auf den Boden zurück", schilderte Federer am Sonntagabend nach seinem Rekordtriumph an der Church Road. All seine Teammitglieder hätten ihm auf seine diesbezügliche Frage ehrlich geantwortet: "Wenn du zu 100 Prozent fit, gut vorbereitet und motiviert zum Spielen bist, dann ist alles möglich."

Nicht am Sand

Und diese Vorbereitung war bei dem vierfachen Familienvater, dessen Kinder ihren Vater in der ersten Reihe beim nächsten Triumph beobachten durften, perfekt. Die Sandplatzsaison auszulassen, um sich ganz auf das Lieblingsturnier zu konzentrieren, war die richtige Entscheidung. Dass er dort nun den siebenfachen Champion Pete Sampras überholt hat, war gar nicht sein vorrangiger Gedanke, erzählte Federer.

"Wimbledon war und wird immer mein Lieblingsturnier sein. Meine Vorbilder haben sich auf dieser Anlage bewegt und auf diesen Plätzen gespielt. Aufgrund dieser Spieler bin ich auch zu einem besseren Spieler geworden." Während des Tages oder auch während der Siegerehrung habe er aber nicht viel daran gedacht, dass es der achte Titel ist. "Ich war einfach nur glücklich, dass ich den Wimbledon-Titel gewinnen konnte, weil es ein langer und aufregender Weg gewesen ist, mit zwischenzeitlich auch schwierigen Momenten."

Fragezeichen hinter Wimbledon 2018

Ob er 2018 auch auf den neunten Triumph losgehen wird, ließ er offen. Nicht, weil er nicht möchte. "Ich hoffe, dass ich wiederkomme, aber da gibt es nie eine Garantie, besonders nicht mit 35." Aber es sei definitiv sein Ziel, seinen Titel zu verteidigen. Sein Lauf in diesem Jahr mit bereits fünf Turniersiegen, zwei davon bei Majors, überrascht Federer selbst. "Es ist unglaublich. Ich weiß nicht, wie lange es noch so weitergeht. Aber ich muss mich immer daran erinnern, dass die Gesundheit zuerst kommt."

Was ihn besonders auszeichne, wurde Federer gefragt. "In dieser Phase der Karriere ist es sicherlich die Konstanz. Ich war zudem immer ein Big-Stage-Player, auf den großen Bühnen fühle ich mich wohl. Mein bestes Tennis habe ich immer auf den großen Plätzen gespielt." Er habe als Kind große Träume gehabt. "Dann habe ich über die Jahre hart, sehr gut und clever trainiert, und ich hatte immer die richtigen Leute um mich herum: meine Frau und meine Eltern, die mich immer auf dem Boden gehalten haben." Neben all dem Talent habe er hart gearbeitet. "Nur Talent allein reicht nicht, um das alles zu erreichen."

Der Vergleich zum jungen Federer, als er noch viel mehr Tennis auf der Tour gespielt hat, fällt ihm schwer. "Ich habe pro Saison fast 100 Matches gespielt und fast 90 davon gewonnen. Da hatte ich ein wahnsinnig großes Selbstvertrauen", erinnerte sich Federer. "Ich würde schon sagen, dass ich heute eventuell der bessere Spieler bin, einfach weil ich mich weiterentwickeln konnte. Vielleicht serviere ich noch ein Stück besser, mit mehr Power, auch beim zweiten Aufschlag." Ob er wirklich heute besser sei, sei aber schwierig zu beantworten. "Es waren einfach andere Zeiten."

Weitere Saisonplanung

Die weitere Turnierplanung lässt Federer offen. "Wir werden uns zusammensetzen und entscheiden, was wir mit Kanada machen." Das Masters-Series-Turnier in Montreal beginnt am 7. August. Durchaus möglich, dass Federer erst in Cincinnati wieder zurückkehrt, ehe die US Open ab 28. August ein Fixpunkt sind. Danach stehen der neu geschaffene Laver Cup in Prag sowie Schanghai und Basel auf dem Programm. Und nun auch London im November. (APA, red, 17.7.2017)

Pressestimmen

SCHWEIZ:

"Neue Zürcher Zeitung": "Mit dem achten Titel in Wimbledon wird Roger Federer ohne Satzverlust Rekordsieger. Nun ringt man um Superlative und sucht nach historischen Vergleichen."

"Tages-Anzeiger": "Mit dem 8. Wimbledon-Titel hat Federer die letzten Zweifel ausgeräumt, ob er in einem Atemzug mit den größten Sportlern der Geschichte genannt werden kann – mit Ali und Jordan."

"Blick": "King Roger I. war er schon vorher. Eine Steigerung liegt eigentlich hierarchisch betrachtet nicht mehr drin. Doch für Roger Federer müsste man sie spätestens jetzt erfinden. (...) Die Dimension des 8. Wimbledon-Titels lässt sich nicht genug würdigen. Diesen Tag sollten wir Schweizer als erstes einfach in Ruhe genießen."

"Basler Zeitung": "Nicht, dass es noch irgendeinen Beweis benötigt hätte, dass er der größte Tennisspieler der Geschichte ist. Dieses Themenfeld war spätestens nach seinem Erfolg am diesjährigen Australian Open abgearbeitet. Wie sein Rekordsieg in Wimbledon aber zustande kam, das hievt ihn doch noch einmal auf ein neues, ungekanntes Level. Wer auf Rasen in sieben Spielen keinen Satz abgibt, der hat alles richtig gemacht. In Wimbledon ist dies erst Björn Borg gelungen – vor 41 Jahren."

DEUTSCHLAND:

"Süddeutsche Zeitung": "Federer staunt über sich selbst. Roger Federer gewinnt zum achten Mal in Wimbledon – und das mühelos wie nie zuvor. Er gibt keinen einzigen Satz ab."

"Frankfurter Allgemeine": "Federer endgültig König von Wimbledon. Das hat noch keiner geschafft. Roger Federer gewinnt zum achten Mal den Tennis-Klassiker auf dem Rasen von Wimbledon. Gegner Marin Cilic indes erlebt ein 'grausames' Endspiel und braucht Trost."

GROSSBRITANNIEN:

"BBC": "Er (Roger Federer) war von Anfang an der Turnier-Favorit, kam während der sieben Matches kaum in Schwierigkeiten, und Cilic war nicht in der Verfassung, ihn ernsthaft zu prüfen."

"The Independent": "Roger Federer ist außergewöhnlich, ein großartiger Botschafter des Sports und der beste Tennis-Spieler der Erde. (...) Er steht weniger als einen Monat vor seinem 36. Geburtstag, aber die letzten zwei Wochen ist er über die Tennisplätze getanzt wie ein Teenager in der Disco."

"The Guardian": "Mit seinem achten Wimbledon-Titel hat Roger Federer seinen Ruf als größter Spieler dieses Sports zementiert – durch einen einseitigen Sieg über Marin Cilic, dessen Hoffnungen auf eine Überraschung von einer Blase zerstört wurden, die seine Bewegung einschränkte und seine Gedanken plagte. (...) Im Herbst seiner Karriere steht Federer über allen."

"The Telegraph": "Roger Federer ist Teil der britischen Sportgeschichte, eine Dauerausstellung, von der man sich wünscht, sie würde nie geschlossen."

"Mirror": "Roger Federer ist der Größte aller Zeiten. Man würde nicht dagegen wetten, dass er auch noch einen neunten Wimbledon-Titel gewinnt."

FRANKREICH

"Le Figaro": "Mit ihm ist der Katalog der Superlative seit langem ausgeschöpft. Roger Federer schreibt einen überwältigenden Roman ohne Ende."

"L'Equipe" titelt "Göttlich" und schreibt: "Falls Federer nur ein Buch der Rekorde wäre, bliebe die Magie kalt und würde die Mengen nicht begeistern. Die Höhen und Tiefen, die er in den vergangenen Jahren erlebt hat, treten ehrfürchtig zurück vor den 'Oh!' und 'Ah!', die Eleganz und Brillanz seiner Schläge auf allen Plätzen (...) erzeugen."

"Le Parisien": "Man hat schon alle Superlative verbraucht, um das Genie Federers zu beschreiben, des größten Spielers aller Zeiten, und man muss weitere finden, um seinen 19. Grand-Slam-Titel (ein Rekord) und seinen achten im Rasentempel zu erzählen. Um von der unglaublichen Auferstehung des Königs Roger zu berichten, mit 35 Jahren und nach fünf Jahren Grand-Slam-Mangel. Verrückt!"

SPANIEN:

"El Mundo": "Federers Aura verschlingt Cilic. (...) Roger Federer hat seinen achten Wimbledon-Titel geholt und musste dabei nicht einmal alle Register ziehen."

"La Vanguardia": "Muhammad Ali wurde seinerzeit zum besten Sportler des 20. Jahrhunderts gewählt. (...) 17 Jahre scheinen mehr als ausreichend zu sein, um mit Bestimmtheit zu sagen, dass Roger Federer einer der wichtigsten Kandidaten auf den Titel des Besten des 21. Jahrhunderts sein wird."

ITALIEN:

"La Stampa": "Federers Rekord in Wimbledon öffnet ihm die Tür zur Legende. Er ist der perfekte Champion."

"La Repubblica": "Federer, Kaiser von Wimbledon: Die Geschichte von einer zeitlosen Schönheit wird in Wimbledon zur Legende."

  • Federer: "Ich habe fest daran geglaubt."
    foto: apa/afp/aeltc/david levenson/dav

    Federer: "Ich habe fest daran geglaubt."

  • "Ich habe über die Jahre hart, sehr gut und clever trainiert, und ich hatte immer die richtigen Leute um mich herum: meine Frau und meine Eltern, die mich immer auf dem Boden gehalten haben."
    foto: apa/afp/aeltc/david levenson/dav

    "Ich habe über die Jahre hart, sehr gut und clever trainiert, und ich hatte immer die richtigen Leute um mich herum: meine Frau und meine Eltern, die mich immer auf dem Boden gehalten haben."

  • "Ich hoffe, dass ich wiederkomme, aber da gibt es nie eine Garantie, besonders nicht mit 35."
    foto: apa/afp/aeltc/david levenson/dav

    "Ich hoffe, dass ich wiederkomme, aber da gibt es nie eine Garantie, besonders nicht mit 35."

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