Hörnchen haben an ihrer eigenen Immobilienkrise zu knabbern

24. Juli 2017, 10:43
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Früh geboren zu werden, erhöht die Überlebenschancen beträchtlich

foto: ryan taylor

Guelph, Ontario – Das Gemeine Rothörnchen (Tamiasciurus hudsonicus) sieht farblich wie eine Mischung aus dem europäischen Eichhörnchen und dem nordamerikanischen Grauhörnchen aus: Am graubraunen Körper ist der Rotstich nur schwach ausgeprägt, am buschigen Schwanz kommt er kräftiger durch. Es ist allerdings etwas kleiner als seine beiden Verwandten.

Die Spezies kommt in weiten Teilen Kanadas, im Nordosten der USA und in den Rocky Mountains vor. Dank ihrer weiten Verbreitung ist sie nicht gefährdet – und das, obwohl pro Jahr nur ein Viertel der Jungen die ersten vier Lebensmonate überlebt. Kanadische Forscher haben sich nun den Lebenszyklus des Rothörnchens genauer angesehen und dabei festgestellt, dass es dabei auf das richtige Timing ankommt.

foto: bend dantzer
Eine Handvoll Baby-Rothörnchen im Alter von 25 Tagen.

Junge kommen in der Zeit von März bis Mai zu Welt und verbringen die ersten zwei Monate im Kobel der Mutter. Anschließend müssen sie losziehen, um sich ein eigenes Revier zu suchen. Meistens ziehen sie dabei nicht weiter als 100 Meter, berichtet David Fisher von der Universität Guelph. Er sammelte mit seinem Team Daten über mehr als 2.500 Rothörnchen im Yukon-Territorium im Nordwesten Kanadas; die Ergebnisse wurden im Fachjournal "Evolution" veröffentlicht.

Das frühe Hörnchen erhält den Zuschlag

Als entscheidenden Faktor identifizierte Fisher den Zeitpunkt der Geburt. Früher geborene Hörnchen haben deutlich bessere Chancen, die entscheidenden ersten Monate zu überleben. Der Grund dafür ist recht einfach: Wer früher dran ist, kann sich ein freies Revier schnappen, welches nicht nur Nahrungsquellen, sondern auch – das scheint sogar noch wichtiger zu sein – gute Plätze umfasst, an denen sich Nahrung nach Hörnchenart für den Winter verstecken lässt.

Überraschenderweise hat dieser Effekt aber nicht zu einem evolutionären Wettlauf geführt, berichten die Forscher: Es lassen sich bislang keine Anzeichen für einen Trend zu immer früheren Geburten feststellen. Der Wettlauf um die kostbaren Immobilien startet jedes Jahr aufs Neue unter den gleichen Voraussetzungen. (jdo, 24. 7. 2017)

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