7,1 Millionen Teilnehmer bei Referendum gegen Maduro

17. Juli 2017, 06:17
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Gewalt überschattete die Abstimmung, eine Frau wurde getötet, vier weitere Menschen wurden laut Behörden verletzt

Caracas – Mehr als 7,1 Millionen Venezolaner haben sich am Sonntag an der symbolischen Volksabstimmung über die umstrittene Verfassungsreform von Präsident Nicolás Maduro beteiligt. Das teilten die Organisatoren nach Auszählung von 95 Prozent der Stimmzettel mit. Rund 6,5 Millionen Menschen stimmten demnach in Venezuela ab, mehr als 690.000 im Ausland.

61-Jährige gestorben

Die Abstimmung wurde von Ausschreitungen überschattet: Eine Person kam ums Leben, vier wurden laut Behörden verletzt. Der Staatsanwaltschaft zufolge schossen Motorradfahrer im Stadtteil Catia in Caracas auf eine Kundgebung, eine 61-jährige Frau starb dabei. Die Opposition beklagt seit langem Angriffe regierungsnaher bewaffneter Schlägertrupps, sogenannter "Colectivos".

Maduro hat für Ende Juli die Wahl einer verfassunggebenden Versammlung angekündigt. Seine Gegner lehnen das als verfassungswidrig ab und befürchten, dass Maduro damit seine Macht bis hin zur Errichtung einer Diktatur ausbaut.

Das Oppositionsbündnis MUD – ein Sammelbecken konservativer, liberaler und sozialdemokratischer Parteien – hofft, dass die Volksabstimmung ein klares Signal des "zivilen Ungehorsams" sendet. "Ich tue es, weil es ein Zeichen für Demokratie ist. Ich tue es für meine Familie, für meine Zukunft", sagte die 23-jährige Vanessa Elian in Caracas.

90 Menschen seit Anfang April getötet

Das Parlament sieht seine Initiative durch die Verfassung gedeckt. Als Mobilisierungserfolg galt die Marke von acht Millionen der rund 19 Millionen Wahlberechtigten. Die Maduro-nahen Wahlbehörden unterstützen die Abstimmung nicht. Maduro selbst ließ als offene Kampfansage eine Generalprobe zur Wahl zur verfassunggebenden Versammlung abhalten.

Im Armenviertel 23 de Enero im Westen von Caracas gab es deswegen keine Wahlurnen der Opposition, dafür aber Wahllokale für Maduros Wahlprobelauf. "Diese Leute blockieren die Straßen und töten andere Menschen", sagte die 81-jährige Evarista Madriz über die Oppositionsanhänger.

Venezuela versinkt seit Monaten im Chaos. Mehr als 90 Menschen sind seit Anfang April bei Straßenprotesten gegen die Regierung gestorben. Das Land leidet unter der höchsten Inflation weltweit und einer akuten Versorgungskrise, überall fehlt es an Medikamenten und Lebensmitteln. (APA, 17.7.2017)

  • Julio Borges, Präsidenten der Nationalversammlung, nach dem Referendum.
    foto: reuters/marco bello

    Julio Borges, Präsidenten der Nationalversammlung, nach dem Referendum.

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