Achter Sieg in Wimbledon für Federer

    16. Juli 2017, 16:50
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    Dreisatzsieg nach nicht einmal zwei Stunden gegen von Blase gehandicapten Cilic – 19. Grand-Slam-Titel für den King

    Wimbledon – Fünf Jahre nach seinem letzten Wimbledon-Triumph hat Roger Federer am Sonntag seiner märchenhaften Karriere ein neues Kapitel hinzugefügt. Erstmals vor seinen Zwillingssöhnen Leo und Lenny streckte Federer den Pokal nach seinem achten Wimbledon-Triumph in die Höhe. Der 35-Jährige war beim 6:3, 6:1, 6:4 über einen nicht ganz fitten Kroaten Marin Cilic unantastbar.

    Einmal mehr hat der am 8. August 36 Jahre alte werdende Schweizer Tennisgeschichte geschrieben und nun auch den Rekord von Pete Sampras (sieben Titel) ausgelöscht. Federer, der nach einer halbjährigen Pause im Jänner mit einem sensationellen Triumph bei den Australian Open zurückgekehrt war, hat nun sogar alle Chancen, noch einmal Nummer eins der Welt zu werden.

    Federer bärenstark

    Doch daran dachte Federer, der vor Rührung nach seinem 19. Major-Titel in Tränen ausbrach, an diesem Tag nicht. Sein Gegner, der beim Stand von 3:6, 0:3 beim Seitenwechsel vor Schmerzen weinte und Probleme mit seinem linken Fuß hatte, konnte ihn nur zu Beginn des ersten Satzes fordern.

    foto: apa/afp/pool/daniel leal-olivas

    "Es ist manchmal bitter, aber du bist ein Held. Gratuliere für ein tolles Turnier. Du solltest stolz sein, es ist etwas Besonderes, hier ein Finale zu spielen", fand Federer, ein Gentleman wie immer, tröstende Worte für Cilic nach dessen zweitem Major-Finale nach dem US-Open-Triumph 2014.

    In seinem elften Wimbledon-Finale, was natürlich ebenfalls eine Bestmarke ist, hatte Federer schnell die Weichen auf Sieg gestellt. Schon nach 59 Minuten und dem zweiten Break im zweiten Satz zum 5:1 zweifelte niemand mehr am ersten Wimbledon-Titel seit 2012.

    "Das ist magisch"

    "Es fühlt sich großartig an, diese Trophäe in Händen zu halten und das Turnier gewonnen zu haben, ohne einen Satz verloren zu haben. Das ist magisch", sagte Federer, dem beim Blick auf seine Frau Mirka und seine vier Kinder die Tränen kamen. 2014 und 2015 war er jeweils im Finale in fünf beziehungsweise vier Sätzen an Novak Djokovic gescheitert, im Vorjahr hatte er nach Wimbledon angeschlagen eine lange Auszeit genommen, um ein Jahr später als Triumphator zurückzukehren.

    Wie das möglich war? "Ich muss einfach mehr Auszeiten nehmen", scherzte Federer. "Ich war nicht sicher, ob ich hier jemals wieder ein Finale spielen würde. Aber ich habe immer daran geglaubt, und da stehe ich jetzt. Darauf habe ich fünf Jahre gewartet", sagte Federer, dem auch Prinz William und Herzogin Kate sowie Premierministerin Theresa May zugesehen hatten.

    "Es ist so ein besonderer Platz für mich, so viele Legenden haben hier gespielt. Ich hoffe, das war nicht mein letztes Mal, und ich hoffe, nächstes Jahr meinen Titel verteidigen zu können", sagte Federer unter dem Jubel der Zuschauer.

    19. Major-Titel

    Federer, der einen Siegerscheck in Höhe von umgerechnet 2,5 Millionen Euro kassiert, wird sich damit im Ranking vom fünften auf den dritten Rang schieben. Mit seinem 19. Major-Titel baute er seine Führung in der Herren-Wertung aus. Vor ihm liegen weiterhin Margaret Court (24), Serena Williams (23) und Steffi Graf (22). Er kürte sich auch zum ältesten Herren-Einzel-Sieger der Profiära (35 Jahre und 342 Tage).

    Finalgegner Cilic stammelte unter Tränen, dass er "nie aufgegeben und mein Bestes gegeben" habe. "Es war heute wirklich hart, aber ich werde zurückkommen und es noch einmal versuchen." Er hätte nach Goran Ivanisevic 2001 der erst zweite kroatische Wimbledon-Champion werden können.

    Blase als Problem

    Eine schmerzhafte Blase im linken Fuß hatte seinen Einbruch mitverursacht. "Das war wirklich sehr unglücklich, dass das passiert ist. Es war eine wirklich schlimme Blase", sagte der 28-Jährige, der die Verletzung schon im Halbfinale gegen Sam Querrey gespürt hatte. "Es war emotional sehr schwierig, weil wir in den vergangenen Monaten so viel Arbeit in die Vorbereitung gesteckt haben."

    Die Physios hätten in den vergangenen 30 Stunden alles versucht, so Cilic. "Aber leider habe ich die Schmerzen immer noch gespürt." Die Tränen seien keine direkte Reaktion auf die Schmerzen, sondern Gefühlsregungen wegen des Umstands, dass ihm das ausgerechnet am wichtigsten Tag in Wimbledon passieren musste.

    Nur Nadal vor Federer

    Nur ein Spieler der Profiära hat bei einem Grand-Slam-Turnier öfter triumphiert als Federer: Rafael Nadal, der diesmal sensationell schon im Achtelfinale an Gilles Muller gescheitert war, hat vor fünf Wochen mit dem zehnten French-Open-Titel ebenfalls Geschichte geschrieben. Federer ist nach seinem fünften Saisontitel, dem 93. insgesamt, nun hinter Nadal Zweiter im Race. Auf Platz drei steht immer noch Dominic Thiem.

    Wie Oliver Marach am Vorabend bei den "Großen" verlor auch Jurij Rodionov im Finale des Junioren-Doppelbewerbs. Der Österreicher unterlag Axel Geller/Hsu Yu Hsiou (ARG/TPE) mit seinem tschechischen Partner Michael Vrbensky 4:6, 4:6. (APA, 16.7.2017)

    • The king still rules!
      foto: ap/dennis

      The king still rules!

    • Also küsst er weiter.
      foto: apa/afp/glyn kirk

      Also küsst er weiter.

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