Salzburger Schutzhütte wird zur Selbstbedienungshütte

19. Juli 2017, 10:35
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Das Experiment der Naturfreunde im Tennengebirge läuft gut an. Gäste versorgen sich selbst, der Verein stellt Infrastruktur bereit

Salzburg – Was tun mit einer Schutzhütte, die so abgelegen liegt, dass auf Dauer kein Hüttenwirt zu finden ist? Selbst wenn die vom erhaltenden Verein verlangte Pacht gegen null tendiert?

Die Salzburger Naturfreunde wagen derzeit ein Experiment: Seit rund einem Jahr wird das Leopold-Happisch-Haus im Nordwesten des Tennengebirges als Selbstbedienungs- und Selbstverwaltungshütte geführt. Im Kern ist die Sache ganz einfach: Die Hütte ist offen, die Naturfreunde stellen also die Infrastruktur inklusive Lagerplätzen, Toiletten, Waschräumen, Küche zur Verfügung.

Und: Anders als in klassischen Selbstversorgerhütten, wo die Mieter Essen und Trinken selbst mitbringen, stellt der Verein auch die Nahrungsmittel zur Verfügung. Rund zwei Tonnen haltbare Lebensmittel und anderes Material habe man heuer zu Saisonbeginn zum auf 1925 Meter Seehöhe gelegenen Schutzhaus geflogen, berichtet der Geschäftsführer der Salzburger Naturfreunde Helmut Schwarzenberger im STANDARD-Gespräch.

1000 Nächtigungen

Die Gäste kochen dann selbst, putzen aber auch die Toiletten und entrichten nach einer fixen Tabelle einen kleineren finanziellen Beitrag. Eine Nächtigung kommt beispielsweise für Mitglieder alpiner Vereine so auf sieben Euro. Ein halber Liter Bier oder ein Radler kostet drei Euro. Für die Saison 2017 rechnen die Salzburger Naturfreunde jedenfalls mit rund 1000 Nächtigungen im nach einem der Gründer der Wiener Sektion der Naturfreunde benannten Schutzhaus.

Die Idee hat sich die Salzburger Sektion des SPÖ-nahen alpinen Vereines von der Schweizer Salecina-Stiftung abgeschaut, die an der Grenze zwischen Engadin und Bergell seit 1972 erfolgreich so ein Selbstverwaltungshaus betreibt.

Kein Vandalismus

Erste vorsichtige Bilanz von Schwarzenberger: Die Sache funktioniert. Die Gäste würden sogar oftmals etwas mehr in die Kasse werfen, als sie tatsächlich konsumiert hatten.

Auch Vandalismus ist kein Problem: Naturfreunde wie Berufsjäger halten regelmäßig Nachschau und "Spontanbesucher" nach durchzechter Nacht gibt es auch keine: Selbst geübte Geher brauchen auf dem Normalweg dreieinhalb Stunden vom Tal zur Hütte.

Teure Wasserversorgung

Kostendeckend ist der Betrieb einer Schutzhütte aber naturgemäß auch dann nicht, wenn die Bergsteiger mehr bezahlen als notwendig. Allein heuer werden am Happisch-Haus rund 190.000 Euro für die Erneuerung der gerade im Karst sehr aufwendigen Wasserversorgung verbaut.

Einen Teil bringen die Naturfreunde selbst auf, drei Viertel der Summe kommen von Bund und Land. Um selbst auch Einnahmen zum Hüttenerhalt lukrieren zu können, haben die Naturfreunde rund 60 Quadratmeter der Hütte zusätzlich an einen privaten Jagdpächter vermietet. (Thomas Neuhold, 17.7.2017)

  • Das Leopold-Happisch-Haus im Tennengebirge liegt etwas abseits bekannter Trampelpfade.
    foto: naturfreunde

    Das Leopold-Happisch-Haus im Tennengebirge liegt etwas abseits bekannter Trampelpfade.

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