Zehn Jahre iPhone – versklavt uns die Maschine?

    Blog mit Video16. Juli 2017, 12:30
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    Smartphones haben positive und negative Auswirkungen – und wir tendieren dazu, sie zu unterschätzen

    derstandard.at

    Vor ziemlich exakt zehn Jahren kam das iPhone in die Läden – und mit ihm begann der Siegeszug des Smartphones. Es hat die Welt verändert, aber auch uns Menschen verändert. Einer der Miterfinder des Smartphones, der Computerdesigner Tony Fadell, zieht nun eine verheerende Bilanz. "Der kalte Schweiß breche ihm aus", zitiert ihn die "Süddeutsche Zeitung", "wenn er darüber nachdenke, was er und seine Kollegen da in die Welt gesetzt haben ... Obwohl doch eigentlich Kommunikationsinstrumente, dienten Smartphones vor allem den Bedürfnissen des Einzelnen, seien Mittel der Selbstüberhöhung statt der Vernetzung." Sie reduzieren Kommunikationsfähigkeit und Gedächtnisleistung, lassen uns das Lesen verlernen. Sie geben uns bisher unbekannten Zugang zum Wissen, lassen aber das Lernen verkümmern, weil wir stundenlang Twitter-Feeds oder anderes lesen. Ganze Generationen wachsen mit der Wisch-Bewegung auf.

    Das ist aber natürlich nur die eine Seite der Medaille. Smartphones geben Milliarden Menschen, der gesamten Mittelschicht und auch unteren Mittelschicht der ärmeren Länder einen Zugang zu Informationen, zu Wissen, von Enzyklopädien über Vernetzungsmöglichkeiten bis hin zu Vorlesungsvideos von renommierten Wissenschaftern der renommiertesten Universitäten. Ein ganzer Ozean an neuen Möglichkeiten.

    Egal ob man diese Veränderungen als überwiegend positiv oder überwiegend negativ ansieht – also völlig egal, wie man sie beurteilt –, sie sind vor allem dramatische Veränderungen. Ja, sie produzieren einen "neuen Menschen". Allein das ist bemerkenswert genug. Und dabei sind wir erst am Anfang einer Entwicklung von Automatisierung, Digitalisierung und Robotisierung. Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben.

    Und vor zehn Jahren hat kaum jemand geahnt, welch signifikante Erfindung da in die Läden kommt. Das zeigt auch: Wir unterschätzen chronisch die Bedeutung von Technologie. (Robert Misik, 16.7.2017)

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