Obdachloser auf Wiener Donauinsel erstochen: Verdächtiger in Haft

    16. Juli 2017, 14:18
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    29-Jähriger starb im Krankenhaus – Verdächtiger verweigert Aussage – Motiv unklar

    Wien – In der Nacht auf Sonntag ist ein Obdachloser auf der Wiener Donauinsel in der Donaustadt nach einem Streit von einem anderen Obdachlosen niedergestochen worden. Der 29-jährige Slowake starb im Krankenhaus. Der Verdächtige, ein 49-jähriger Pole, wurde bei einem Großeinsatz der Polizei an seinem Schlafplatz festgenommen. Er befindet sich in Haft und verweigerte bisher jegliche Aussage.

    Zeugen haben am Samstag kurz nach 23.00 Uhr die Polizei verständigt, dass sich beim Taxistand der Sunken City nahe der Reichsbrücke auf der Donauinsel ein Schwerverletzter befinde. Er sei ihnen blutend entgegengekommen, auch hätten sie jemanden davonlaufen sehen, berichtete Polizeisprecher Thomas Keiblinger. Der 29-Jährige wies mehrere Stichverletzungen auf. Vier Rettungsteams waren im Einsatz, sie intubierten den Obdachlosen und brachten ihn ins Spital. Dort erlag er kurz vor 2.00 Uhr seinen Verletzungen.

    Unterdessen folgte auf der Donauinsel ein Großeinsatz der Polizei. Rund 50 Beamte wurden hinzugezogen, ebenso der Polizeihubschrauber und Diensthunde. Bei Befragungen weiterer Obdachloser an Ort und Stelle wurde der Pole eindeutig und glaubhaft als Täter genannt, sagte Keiblinger. Demnach soll der Mann "schon in der Vergangenheit gewalttätig und aggressiv gewesen sein, die Leute hatten Angst vor ihm", sagte der Sprecher. Eine verängstigte Zeugin nannte den Beamten schließlich den Schlafplatz des Beschuldigten. Dieser befand sich wenige hundert Meter vom Tatort entfernt im Freien, hinter dem Lokal "Porto Pollo". Der Polizeihubschrauber lokalisierte den Verdächtigen und einen zweiten, unbeteiligten Mann mittels Wärmebildkamera. Der Bereich wurde weiträumig abgesperrt. "Die Besatzung des Hubschraubers lotste die Wega-Beamten dorthin", schilderte Keiblinger.

    Rund eine Stunde nach der Tat, kurz nach Mitternacht, wurde der leichtverletzte 49-jährige Pole festgenommen. Zahlreiche Beweismittel sprechen laut Polizei für seine Täterschaft. Er wies Kampfspuren auf, hatte Kratzer und eine Platzwunde im Gesicht, zudem befand sich Blut auf seiner Kleidung. Ob dieses vom Opfer oder ihm selbst stammt, muss erst geklärt werden. Kurzzeitig wurde auch der zweite Mann, der sich auch am Schlafplatz befand, festgenommen. Dieser dürfte dort aber nur geschlafen und von der Tat selbst nichts mitbekommen haben, weshalb er rasch wieder freigelassen wurde, berichtete Keiblinger.

    Erste Befragungen am Tatort ergaben, dass der Verdächtige und sein späteres Opfer bereits gegen 20.00 Uhr erstmals in Streit geraten sind. Das Motiv für die Bluttat war vorerst unklar, der Pole schwieg bei seiner Einvernahme durch die Ermittler. Der Tatwaffe dürfte sich der 49-Jährige entledigt haben. Die Stichwaffe wurde trotz umfangreicher Suche, unterstützt durch Polizeidiensthunde, bisher nicht gefunden. (APA, red, 16.7.2017)

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