"Cards Against Humanity" ironisiert Gendermarketing

    20. Juli 2017, 14:16
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    Das populäre Kartenspiel aus den USA ist nun als pinke Version speziell für Frauen erhältlich – für einen guten Zweck

    Chicago – Das nicht jugendfreie und oftmals politisch nicht ganz korrekte Kartenspiel "Cards Against Humanity", das sich vor allem als Partyspiel großer Beliebtheit erfreut, gibt es nun auch in einer Sonderausführung für Frauen. Die Verpackung ist pink und mit Schmetterlingen verziert – anstatt wie bei der regulären Edition, die in Schwarz gehalten ist. Außerdem kostet die "For her"-Version fünf Dollar mehr als das Original. Der Erlös aus dem Verkauf der Sonderedition kommt dem Projekt "Emily's List" zugute, das es sich zum Ziel gesetzt hat, Frauen in der US-amerikanischen Politik zu unterstützen.

    "Pink Tax" – Frauen zahlen mehr

    Dass das Spiel für Frauen mehr kostet, ist wohl eine Anspielung auf die sogenannte "Pink Tax" – also jenes Phänomen, dass vor allem Körperpflegeprodukte für Frauen im Schnitt teurer sind als jene für Männer: Eine Studie der Abteilung für Konsumentenangelegenheiten in New York City hat beispielsweise 2015 gezeigt, dass Produkte, bei denen es eine Version für Männer und eine für Frauen gibt, Frauen in 42 Prozent der Fälle mehr für die Produkte zahlen, die speziell für sie vermarktet werden. Männer zahlen hingegen nur in 18 Prozent der Fälle mehr für "ihr" Produkt. Kinderkleidung und Spielzeug waren ebenfalls Teil der Analyse, und auch hier waren die Produkte für Mädchen im Schnitt teurer als jene für Buben. Bei Spielzeug waren es rund sieben Prozent, bei der Kleidung immer noch vier Prozent.

    Perfekt für den "Mädelsabend"

    Auf der Hersteller-Webseite zum Kartenspiel werden, mit einer Prise Sarkasmus, alle möglichen Fragen beantwortet, die sich frau zu dem Produkt stellen könnte. Dabei wird kaum ein Klischee rund um das Konsumverhalten junger Frauen ausgelassen. Es sei demnach perfekt für Frauen geeignet, weil es "stylish" und "trendy" sei und die Regeln leicht zu verstehen seien. Außerdem diene es zur Unterhaltung der "Ladys" – "während die Männer über Wirtschaft und das Weltgeschehen diskutieren" und sei damit perfekt für einen "Mädelsabend".

    Auf Twitter zeigten sich einige Userinnen bereits erfreut darüber, dass es nun endlich auch eine Version des Spieles gibt, die auf ihre "weiblichen Bedürfnisse" abgestimmt sei.

    Skurriles Gendermarketing

    Die Aktion von "Cards Against Humanity" spielt auf satirische Art auf diverse Auswüchse in der Vermarktung von Produkten für Frauen an. Unter anderem hielt es die Firma Bic 2012 für notwendig, Kugelschreiber speziell für Frauen auf den Markt zu bringen. US-Talkmasterin Ellen DeGeneres machte sich daraufhin in ihrer Sendung darüber lustig.

    Sehr häufig geht das Produktdesign und die Werbung solcher Produkte speziell für Frauen oder Mädchen mit einer inflationären Verwendung der Farbe Pink und von Symbolen wie Schmetterlingen, Blumen oder Herzen einher. (Julia Sahlender, 20.7.2017)

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      Die Unterhaltung für den nächsten "Mädelsabend" ist gesichert

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