Fisch im Direktvertrieb: Flossen hoch im Familienbetrieb

15. Juli 2017, 16:00
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Zappelfrisch zum Tisch: Der Fischereibetrieb Jagerbauer verkauft seit mehr als 20 Jahren erfolgreich direkt

Linz – Wasser ist das entscheidende Element im Leben von Gertraud und Wolfgang Hiesmayr. "Die Qualität muss stimmen. Wenn's beim Wasser hackt, versenkst schnell einen ganzen Besatz", erzählt Wolfgang Hiesmayr und bugsiert einen Saibling nach einem kurzen Landausflug wieder zurück ins vertraute Nass. Rund 25.000 Artgenossen beleben derzeit die vier großen Teiche.

Wobei die Zahlen schwanken: Muss die Vitrine im Hofladen neu bestückt werden, wird eine Fischplatte bestellt oder steht ein Markttag in Linz an, lichten sich unter Wasser die Reihen. Es ist der Kreislauf des Fischlebens am Jagerbauer-Hof in Hofkirchen im Traunkreis.

Den Grundstein für den heute florierenden Fischereibetrieb legten in den 70er-Jahren die Eltern von Gertraud Hiesmayr: "Sie haben zwei Teiche angelegt und mit dem Verkauf von Besatzfischen begonnen. Das ist lange Zeit sehr gut gelaufen. Mit der Grenzöffnung zu Tschechien ist aber die Konkurrenz gewachsen." Als Gertraud Hiesmayr dann nach ihrem BWL-Studium 1995 in den elterlichen Betrieb einsteigt, scheint die Zeit beim Jagerbauer reif, um zu neuen Ufern aufzubrechen.

Stadtmarkt-Pioniere

Was die Teiche hergeben, soll nun am Hof verarbeitet und direkt vermarktet werden. "Unser Glück war damals, dass 1995 gerade der Stadtmarkt am Linzer Hauptplatz eröffnet wurde und Verkäufer gesucht wurden", erinnern sich die Hiesmayrs. 22 Jahren später ist der Freitag im Familienbetrieb immer noch der fixe Markttag in Linz. Hinzugekommen sind aber vier Angestellte und ein kleiner Hofladen, in dem regionale Flossenschmankerln unterschiedlichster Art angeboten werden. Geräuchert wird am Hof übrigens noch ganz traditionell über offener Flamme und mit Buchenholz.

"Die Direktvermarktung ist ein Vollgas-Job. Der Fisch und der Kunde bestimmen unser Leben", ist Wolfgang Hiesmayr überzeugt. Ein Wechsel in den Lebensmittelhandel kommt für das Ehepaar dennoch nicht infrage: "Da können und wollen wir allein vom Preis her nicht mit." Und vor allem scheint es auch ohne Einkaufsriesen gut zu laufen: Pro Jahr macht man mit den regionalen Fischprodukten und einer überschaubaren Landwirtschaft rund 500.000 Euro Umsatz.

Schwitzende Fische

Wer aber meint, der Fisch gedeiht ohnehin allein und muss nur mit dem Erreichen der Idealgröße gekeschert werden, irrt gewaltig. Hiesmayr: "Man ist total von den Umwelteinflüssen abhängig. Durch unsere Teiche läuft ein Bach. Wenn da etwas mit der Wasserqualität nicht stimmt, kann ich wenig tun. Man muss damit rechnen, dass man so alle vier Jahre einen Totalverlust hat." Zur Dezimierung trägt übrigens auch so mancher Reiher oder Fischotter bei: "Aber das lösen wir österreichisch", lacht Hiesmayr.

Derzeit sorgt eher die Hitze im und abseits des Wassers für Unruhe: "Wenn es tagelang heiß ist und die Sonne in einem steilen Winkel auf das Wasser knallt, dann kommen die Saiblinge ins Schwitzen." Aber noch ist keiner der Hofkirchner Edelfische unfreiwillig zum Rückenschwimmer geworden. (Markus Rohrhofer, 15.7.2017)

  • Große Aufregung im Netz: An den Teichanlagen der Familie Hiesmayr werden jedes Jahr bis zu 13 Tonnen Fisch aufgefüttert.
    foto: dedl

    Große Aufregung im Netz: An den Teichanlagen der Familie Hiesmayr werden jedes Jahr bis zu 13 Tonnen Fisch aufgefüttert.

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