Nach Aus für Alphabay: Internet-Schwarzmarkt versinkt im Chaos

    14. Juli 2017, 15:51
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    Polizeibehörden gingen gegen größte Darkweb-Plattform vor, ehemalige Nutzer fluten andere Plattformen

    Vor einer Woche begann Unruhe unter den Nutzern von Alphabay einzukehren. Die Nutzer der größten Handelsplattform im Dark Web hatten plötzlich keinen Zugang mehr, es ging das Gerücht um, dass die Eigentümer sich mit den Bitcoins der Nutzer aus dem Staub gemacht hätten.

    Dann veröffentlichte das Wall Street Journal einen Bericht. Behörden in drei Ländern – Kanada, Thailand und den USA – sollen die Seite vom Netz und einige Hintermänner in Gewahrsam genommen haben. Einer der Administratoren soll sich durch Erhängen in seiner Gefängniszelle in Bangkok einer Auslieferung an die USA entzogen haben. Das Ende von Alphabay lässt den Internet-Schwarzmarkt derzeit im Chaos versinken, schreibt Wired.

    "Alphabay-Flüchtlinge" bringen andere Anbieter an ihre Grenzen

    Dazu sollte man wissen, dass Alphabay nicht irgendeine von vielen Plattformen ist, sondern die zuletzt größte ihrer Art. Gehandelt wurden dort allerlei illegale Güter, insbesondere der Drogenhandel soll floriert haben. Experte Nicolas Christin von der Carnegie Mellon University schätzt, dass der Handelsplatz mit zuletzt 300.000 aktiven Angeboten täglich mindestens 600.000 bis 800.000 Dollar an Umsatz generiert hat.

    Die Mitglieder suchen nun nach einer neuen Heimat. Die Flut an ehemaligen Alphabayern bringen nun andere Plattformen an ihre Grenzen. Hansa, ein auf Drogen spezialisiertes Portal, hat infolge dessen die Registrierungsfunktion temporär deaktiviert. "Aufgrund des Ansturms der Alphabay-Flüchtlinge kämpfen wir mit technischen Problemen", verlautbarten die Betreiber.

    Auch der Dream Market, eine der älteren Umschlagplätze, war offenbar betroffen. Die Seite soll in den letzten Tagen kaum erreichbar gewesen sein. Betrüger machten sich dies zunutze und versuchten über eine dem Original nachempfundene Seite, an die Daten der Nutzer zu kommen.

    Nur ein kurzer Rückschlag

    Derweil wird immer noch gerätselt, wie die Behörden Alphabay ausheben konnte, zumal das Tor-Netzwerk Nutzer und Betreiber vor Ausforschung schützen sollte. Dementsprechend wird von manchen befürchtet, dass die Ermittler erfolgreich einen Weg gefunden hätten, Tor-Nutzer zu bespitzeln.

    Dass der Handel mit illegalen Gütern im Darkweb durch den Takedown von Alphabay permanent eingedämmt wird, ist allerdings unwahrscheinlich. Schon in der Vergangenheit war die Aushebung von großen Darknet-Umschlagplätzen wie Silk Road lediglich ein kurzer Rückschlag für die "Szene". Langfristig wurde die Aktivität jedoch immer stärker. "Es gibt Nachfrage", erklärt Christin dazu. Und die Frage sei nur, wer sie erfülle. (red, 14.07.2017)

    Links

    Wired

    • Die Schließung von Alphabay sorgt für Turbulenzen bei anderen Darkweb-Handelsplattformen.
      foto: reuters

      Die Schließung von Alphabay sorgt für Turbulenzen bei anderen Darkweb-Handelsplattformen.

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