"La Margarita": Helden, Äpfel und Pferdeballett

    14. Juli 2017, 15:51
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    Pferdeballett bei der Styriarte

    Eine ganze Kavallerie fährt der Hochkultur in die Parade: Kaiser Leopold der Erste hat befohlen, dass in der Festoper zu seiner Hochzeit mit Margarita auch Pferde mitspielen. Das ist die Rahmenhandlung des Opern-Pasticcios, das man bei der Styriarte für La Margarita ersonnen hat – und mit Michael Hell von der Neuen Hofkapelle Graz dramaturgisch meisterlich erfüllt hat mit Musik von Bendinelli und Cavalli, Schmelzer, Cesti, Stradella und Leopold I. Im Park von Schloss Schielleiten wurde ein Reitplatz aufgeschüttet, es treten auf: die Mitglieder der Spanischen Reitschule Epona aus Ungarn, fünf "Pferdeballette" zur zündend gespielten Musik von Schmelzer interpunktieren die von Obersthofmeister Lobkowitz, alias Dramaturg Thomas Höft, launig erzählte Handlung.

    Herkules im Apfelland

    Herkules hat aus einer leidenschaftlichen Anwandlung für die Natur heraus die Äpfel der Hesperiden geklaut. König Hesperos ist entrüstet, es kommt zum Kampf, Herkules siegt und legt die Äpfel dem Herrscherpaar zu Füßen. Passt gut ins Apfelland Steiermark.

    Das Bühnenportal erinnert an ein großes Ausschneidebogen-Papiertheater, die Kostüme sind frech-fröhliche Barock-Persiflagen; die kunterbunte Ausstattung von Lilli Hartmann vermag zu verzaubern – so unbekümmert und gekonnt spielt sie mit Barockzitaten. Die Infantin Margarita trägt natürlich ein Margeritenkostüm.

    Dass dennoch die Musik im Zentrum steht, ist dem Soundsystem "Amadeus" zu verdanken, welches "dreidimensionale Klangszenen" erzeugt.

    Staunen ob Feinheiten

    Tatsächlich staunt man – auch Feinheiten der Interpretation kommen im Freilufttheater beim Publikum an. Erfreulich auch die Balance zwischen Instrumentalisten und Sängern. So ist die Produktion La Margarita nicht nur ein aufwendiges Event, sondern auch ein tolles Alte-Musik-Konzert. Die Neue Hofkapelle Graz und das Trompetenconsort Innsbruck unter Andreas Lackner musizieren rhythmisch pointiert – oft geradezu jazzig – im eleganten klangrednerischen Gewand.

    Sopranistin Julla von Landsberg bezaubert als allegorische Frau Musica und Titelträgerin Margarita. Countertenor Flavio Ferri-Benedetti ist ein stimmlich wie darstellerisch wendiger Herkules. Tenor Daniel Johannsen singt als Kaiser Leopold I eine der schönsten Arien des Abends Stradellas Anco in cielo il biondo auriga aus San Giovanni Battista. Bariton Jochen Kupfer beherrscht die Bühne als König Hesperos. Thomas Gartner und Martin Schober geben Hofzwerg und Hofriesen. (klaba, 14.7.2017)

    "La Margarita" in Schloss Schielleiten, 14., 15. und 16. Juli, 21.00

    www.styriarte.com

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