Donau-Piranhas und Spendenkaiser

Kolumne15. Juli 2017, 15:00
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Bissige Fische, glutenfreie Hostien und Brieftaschen, die Neos wählen

In Wahlkampfzeiten ist allenthalben mit dem Schlimmsten zu rechnen, und am schlimmsten ist es in Wien. Fische beißen Wiener Badegäste, musste "Heute" diese Woche Alarm schlagen, um im Blattinneren zu präzisieren: "Donau-Piranhas" knabbern nun Badegäste an! "Wiederholt wurden ich und andere an der Neuen Donau in der Nähe der U2-Station Donaustadtbrücke beim Einstieg ins kühle Nass von Fischen an Zeh und Ferse attackiert", berichtete ein angeknabberter "Heute"-Leser. Die Attacken seien nicht übermäßig schmerzhaft. Aber der Schreck sorgte bereits für einige Schreie und Stürze im flachen Wasser.

Noch ehe Gernot Blümel und ein gewisser Gudenus eingreifen konnten, bewies der "Heute"-Leser Heldenmut. Die Neugierde besiegte die Angst: Er tauchte mit seiner Unterwasserkamera ab, fotografierte einen der Übeltäter und tat das Nächstliegende. Er schickte das Bild an "Heute", das den Knabberer prompt abbildete.

"Toni Faber beruft ,Soko Hostie' ein"

Das war aber noch gar nichts gegen das, was der Obersthirt gläubigen Knabberern dieser Tage antat. Nach Papst-Befehl: Toni Faber beruft "Soko Hostie" ein, schlug "Heute" noch vor dem Piranhaalarm Alarm. Glutenfreie Hostien sind bei der Heiligen Messe künftig verboten, pfuschte der Papst dem Dompfarrer ins Handwerk. Im Wiener Stephansdom etwa wurden seit zwei Jahren eigene Hostien für Allergiker ausgegeben. Dazu Toni Faber, der ob der neuen Direktive auch einmal schlucken musste: "Ich gebe zu, ich bin sehr unglücklich darüber und weiß auch nicht, warum glutenfreie Hostien gegen die katholische Lehre verstoßen sollen."

Der bedauerliche Mangel an theologischem Basiswissen soll nun in einer "Soko Hostie" behoben werden, wobei der Dompfarrer offenbar gar nicht so recht weiß, was er an die Gläubigen verfüttert. "Ich muss jetzt von einem Ernährungswissenschafter und dem Erzbischöflichen Zerimoniär (sic!) untersuchen lassen, ob unsere Hostien gänzlich glutenfrei sind oder nicht." Rom kontert indes und zeigt sich damit auf sympathische Weise versöhnlich: Allergiker können die Kommunion ja auch nur in Form von Wein empfangen. Vorausgesetzt, er ist nicht gepantscht.

"Im Fokus des Rechnungshofes"

In Vorwahlstimmung offenbar auch die Präsidentin des Rechnungshofes mit der routinemäßigen Warnung an die Parlamentarier, jetzt keine Wahlzuckerln zu verteilen. Genau genommen ist der Rechnungshof ein Instrument des Parlaments und nicht dessen Lehrmeister, aber es macht sich halt so gut. Normalerweise ist es der Nationalrat, der beim Rechnungshof Prüfungsaufträge bestellt, aber in oben erwähnter großzügiger Vorwahlstimmung forderte die Präsidentin nun die Bürger auf, dem Nationalrat Arbeit abzunehmen und Prüfungswünsche an den Rechnungshof zu schicken, in der Hoffnung, so den Bürgernutzen zu steigern. Im Fokus des Rechnungshofes, so laut "Salzburger Nachrichten", sollten in den nächsten Jahren der Nutzen und die Kosten öffentlicher Leistungen für den Bürger stehen. Was wohl in all den Jahren zuvor im Fokus des Rechnungshofes gestanden ist?

"Österreich" ist es wieder einmal gelungen, mit der am wenigsten überraschenden Mitteilung in diesem Wahlkampf die Titelseite zu belasten: Kurz ist Spenden-Kaiser. Schon 69.228 Euro soll er bis Mittwoch dieser Woche zusammengekratzt haben, darunter als höchste Überweisung 5000 Euro. Sie kam vom Wiener Banker Gustav Dressler, der auch beim Forum Alpbach Finanzgespräche moderiert und von leicht apokalyptischen Ängsten zum Handeln getrieben wird. Über seine Motivation sagt er zu "Österreich": "Es ist wohl die letzte Chance, dass Österreich eine notwendige Änderung durch die neue Bewegung erfährt, deshalb meine Spende." Zur Abwendung einer solchen Bedrohung sind die 5000 Euro sicher gut angelegt. Neos-Chef Matthias Strolz hingegen richtete in derselben Ausgabe seine Blicke himmelwärts. "Man muss auf die Sterne zielen, manchmal landet man auf dem Mond. Wir werden weiterwachsen. Jede Brieftasche würde Neos wählen." Außer, sie öffnet sich lieber für die Liste Kurz.

Herbert Kickl versteht in "Zur Zeit" nicht, warum überhaupt jemand für Kurz spendet. Er ist ein reiner Blender und Verkünder. Er ist auch kein "Macher", er ist ein "Gemachter". Tarnen, Täuschen und Tricksen, das ist seine Devise. Schließlich ist die Politik von ihm ein klassischer Fall von Produktpiraterie. In Wahrheit ist er eher ein "Faxer als ein Kopierer" – er faxt jede von uns kopierte Idee letztendlich ins politische Nirwana! - Das allerdings wäre schon eine kleine Spende wert. (Günter Traxler, 15.7.2017)

  • Günter Traxlers Blattsalat.

    Günter Traxlers Blattsalat.

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