Afghanistan: Baby mit Polio infiziert, weil Taliban Impfungen verbieten

14. Juli 2017, 13:47
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Insgesamt schon fünf Fälle – Radikalislamisten kontrollieren mittlerweile rund elf Prozent des gesamten Staatsgebietes

Kabul – Die radikalislamischen Taliban haben in Teilen der südafghanischen Provinz Kandahar Impfkampagnen gegen Kinderlähmung gestoppt. Es handle sich um teils dicht besiedelte Gegenden, sagte ein Mitarbeiter der nationalen Anti-Polio-Kampagne, Hedaiatullah Staneksai, am Freitag.

In Kandahar war am Donnerstag der fünfte Polio-Fall in Afghanistan in diesem Jahr identifiziert worden. Das 18 Monate alte Mädchen lebt in einem der vom Impfbann betroffenen Bezirke.

Ein Drittel des Landes umkämpft

In den vergangenen Jahren waren die Zahlen neuer Erkrankungen in Afghanistan gesunken. 2015 wurden 20 Fälle erfasst, 2016 noch 13. Nun fürchten Beobachter, dass es wegen der neuen Zugangsprobleme für Impfteams wieder mehr Fälle geben könnte. Die Taliban kontrollieren mittlerweile rund elf Prozent des Landes, weitere 30 Prozent sind umkämpft.

Der Leiter der afghanischen Anti-Polio-Kampagne, Najibullah Safi, bestätigte der Deutschen Presse-Agentur am Freitag, dass es in Kandahar nun Verhandlungen mit den Taliban gebe. Die Taliban halten Impfteams oft für Spione der Regierung oder anderer Länder. Polio bedroht vor allem Kleinkinder und kann zu Lähmungen und zum Tod führen. Ein Heilmittel gibt es nicht. (APA, 14.7.2017)

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