"Die Zauberflöte": Moralinjektion mit Almdudler

14. Juli 2017, 13:43
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Mozarts Zauberstück von 1791 bei den Opernfestspielen in Gars

Gars am Kamp – Es gehört sicherlich nicht zu den vordringlichsten Aufgaben des Sommertheaters, kritische Positionen zum Status quo der Gesellschaft zu formulieren. Aperol Spritz, Almdudler und luftige Abendroben vertragen sich eher schlecht mit jenen Tragödien, die sich zu selbiger Zeit im Mittelmeer abspielen. Bei den Opernfestspielen auf der mittelalterlichen Babenbergerburg in Gars ist man dennoch versucht, den Spagat zwischen weinseliger Weltflucht und trauriger Schlagzeile subtil hinzubekommen.

Die diesjährige "Zauberflöte" will Intendant und Dirigent Johannes Wildner als Fortsetzungsstück zum "Otello" des vorigen Jahres verstanden wissen. Auf die mediterrane Tragödie folgt die deutsche Freimaureroper – oder streng formal Singspiel, wie seit Josef Haders Film "Wilde Maus" auch jeder Opernmuffel weiß. In dem Mozart-Zauberstück werden seit 1791 Humanismus und der Pfad der Tugend im Gewand einer Wiener Vorstadtkasperliade auch breiten Bevölkerungsschichten nahegebracht.

Vogelhändler in Lederhosen

Regisseur Kurt Josef Schildknecht nimmt diesen Gedanken auf und steckt den Vogelhändler Papageno als Vertreter der autochthonen Mehrheitsgesellschaft in zünftige Lederhosen. Zweitbesetzung Wolfgang Resch gibt den liederlichen Gesellen souverän und witzig, mit Papagena (Katharina Tschakert) wird er am Ende ein symbiotisches Almdudlerpärchen abgeben. Der Südafrikaner Siyabonga Magungo als tugendhaftes Gegenstück Tamino überzeugt bei seiner Österreich-Premiere mit feinem und kräftigem Gesang. Regisseur Schildknecht betont die Rolle des Ankömmlings in einem fremden Land und dessen Integrationsbemühungen gewollt zeitgemäß.

Der "böse Moor" Monostatos (Benedikt Kobel) als Warlord in weißer Kolonialuniform erfüllt auch Klischees, ist aber immerhin stimmiger als gezeichnete Bastrockmännchen im Programmheft, die man sich hätte sparen können. Aus der musikalischen Kollektivleistung stach der vielstimmige Chor hervor, insbesondere dann, wenn er geheimnisvoll aus dem Inneren von Sarastros Tempel herausschallte. Temine Zaryan als Königin der Nacht turnte einwandfrei durch die schwierigen Arien, mit großem Beifall bedacht wurden auch die neckisch aufeinander abgestimmten drei Damen (Isabel Seebacher, Monika Schwabegger und Anna Agathonos).

Ausstattung und Bühne hätten zumindest im ersten Aufzug mehr Fantasie vertragen. Um Steigerung bemüht, fehlte den Multimediaeffekten gegen Ende hin etwas die Ausgewogenheit. Als Moralinjektion richtet sich diese Inszenierung, die man wahlweise leicht oder schwer nehmen kann, an Ankommende wie Eingesessene zu gleichen Teilen: Bewegen, so die Botschaft, werden sich beide müssen. Mit oder ohne Almdudler. (Stefan Weiss, 14.7.2017)

Bis 5. August

operburggars.at

  • Siyabonga Maqungo (li.) und Wolfgang Resch.
    foto: reinhard podolsky

    Siyabonga Maqungo (li.) und Wolfgang Resch.

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