Peter Pilz und die drohenden Kollateralschäden

Kommentar14. Juli 2017, 14:02
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Der Noch-Grüne muss sich die Frage stellen, ob ein Alleingang die Ramponierung seiner jahrzehntelangen Herzensbewegung wert ist

Wien – Peter Pilz weiß, was ein Spannungsbogen ist. Zizerlweise zelebriert der Noch-Grüne die Emanzipation von seiner Stammpartei, ohne sich auf eine eigene Kandidatur bei der Nationalratswahl festzulegen. Jüngste Schlagzeile ist die Kunde, dass er aus dem grünen Klub auszieht und sich ein eigenes Büro sucht. Wozu es die nächste Pressekonferenz gibt? Dass Pilz sein Aquarium übersiedelt und sich einen Schreibtisch kauft?

Der 63-jährige sollte die Zeit nützen, um vor der endgültigen Entscheidung über den Wahlantritt noch einmal in sich zu gehen. Pilz sollte nicht nur die eigenen Erfolgsaussichten zum Maßstab nehmen, sondern sich auch die Frage stellen, ob ein Alleingang die möglichen Kollateralschäden wert ist: Als Konkurrent droht er jene Bewegung massiv zu schwächen, der er sich ein politisches Leben lang verschrieben hatte.

Natürlich ist eine Partei keine Sekte, der man sich auf ewig mit Haut und Haar ausliefert. Wer mit den vertretenen Positionen nicht mehr mitkann, hat einen guten Grund, sich abzunabeln. Pilz argumentiert ja auch in diese Richtung, wenn er die Grünen nun als "Altpartei" abstempelt, doch rasend glaubwürdig ist er damit nicht. Bezeichnend ist jenes Interview, das er – von strategischen Überlegungen offenbar noch unbeeinflusst – am Morgen nach seiner Niederlage bei der grünen Kandidatenkür dem Falter gegeben hat. Von grundsätzlichen inhaltlichen Diskrepanzen ist dort nicht die Rede, vielmehr versprach Pilz der grünen Parteichefin Ulrike Lunacek seine Stimme und sagte: "Ich war nicht und ich bin nicht in der falschen Partei."

Es sind Fragen der Strategie und Pointierung, die Pilz von Parteikollegen trennen. Und natürlich ist er zu Recht frustriert, dass die Basis seine für die Grünen so wichtige Aufdeckerrolle nicht honoriert hat. Ob das die Konkurrenz zur jahrzehntelangen Herzenspartei rechtfertigt? Er wolle nach Wählern fischen, die ihre Stimme ohnehin nie den Grünen geben würden, verspricht Pilz, doch da braucht man sich nichts vormachen: Ohne politische Kannibalisierung läuft das nicht ab.

Das Risiko, dass es am Ende nur Verlierer gibt, ist groß: Pilz scheitert am Einzug in den Nationalrat, die Grünen stürzen auf Zwergenniveau ab. (Gerald John, 14.7.2017)

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