Mikroplastik-Studien durch Labormäntel der Untersuchenden verfälscht

    15. Juli 2017, 08:00
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    Forscher der TU Wien weisen auf eine mögliche Fehlerquelle hin

    Wien – Dass Untersuchungsproben just von denen kontaminiert und damit wertlos werden, die die Untersuchung durchführen, kann man als Ironie betrachten – in erster Linie ist es aber ein lästiger Effekt, mit dem sich Wissenschafter in den verschiedensten Bereichen herumschlagen müssen. Betroffen sind davon auch Studien über die Verschmutzung der Meere durch Mikroplastik, berichten Forscher der Technischen Universität Wien im Fachmagazin "Applied Spectroscopy". Und in dem Fall ist der Sachverhalt sogar um eine Schraubenwindung komplizierter.

    In zahlreichen Studien wurde in den vergangenen Jahren auf die große Menge winziger Kunstfasern hingewiesen, die die Weltmeere verschmutzen und selbst in großer Tiefe vorkommen. Doch was man für Kunststoffpartikel aus dem Meer hielt, könnte in vielen Fällen einer Verunreinigung der Probe durch die Laborumgebung geschuldet sein, erklären Forscher um Bernhard Lendl vom Institut für Chemische Technologien und Analytik der TU Wien.

    Knifflig

    Um genau solche Messfehler zu vermeiden, bemühten sich Forscher bisher zwar, Kunstfasern in ihren Labors zu vermeiden und stattdessen Labormäntel aus Baumwolle zu tragen. Das reicht aber offensichtlich nicht: So ist Viskose eine holzbasierte Zellulosefaser, besteht im Gegensatz zu synthetischem Plastik aus natürlicher Zellulose und ist daher biologisch abbaubar.

    Kunstfasern und natürliche Zellulosefasern wie eben Viskose und Baumwolle sind aber schwer voneinander zu unterscheiden. Wenn man nicht die richtigen Analysemethoden anwendet, kann auch eine Kontamination durch Fasern des Baumwoll-Labormantels ein Ergebnis liefern, das man fälschlicherweise als Nachweis von Plastik interpretieren kann.

    Wichtig sei deshalb die richtige Wahl der Nachweismethode, betonen die Wiener Forscher. Üblicherweise werden Kunststoff-Spuren im Wasser mit Hilfe der Infrarot-Spektroskopie nachgewiesen. Die TU Wien untersuchte verschiedene Proben mit genau bekanntem Inhalt mit mehreren Infrarotspektroskopie-Methoden, und stellte fest: Fehler entstehen leicht, weil mit der bisher verwendeten Technik eine Differenzierung zwischen Kunstfasern und natürlichen Substanzen nicht möglich ist.

    "Messfehler"

    "Wenn es darum geht, Mikroplastik-Spuren nachzuweisen und wie hier zwischen Viskose und Baumwolle unterscheiden zu können, muss man nicht nur die passenden wissenschaftlichen Methoden wählen sondern diese auch korrekt anwenden", sagt Lendl. "Alles andere ist unseriös und hilft weder dem Ozean noch der Wissenschaft. Unseren Ergebnissen nach dürfte es sich bei den angeblich in großer Meerestiefe gefundenen Kunstfasern einfach um einen Messfehler handeln." (APA, red, 15. 7. 2017)

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