Audi A8: Der nächste Herr der vier Ringe

    18. Juli 2017, 14:57
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    Was für ein Wirbel. Rund 2000 geladene Gäste aus aller Herren Länder fanden sich in Barcelona zum Audi-Gipfeltreffen ein. Weil: Weltpremiere für den neuen A8. Eine Luxuslimousine, die fast alles kann, auch autonom

    Barcelona – Wo immer jemand meint, die Botschaft von umwälzenden Neuigkeiten anbringen zu müssen, fällt das Wort "revolutionär". Die begriffliche Konnotation geht zurück auf das Hauptwerk von Nikolaus Kopernikus, De revolutionibus orbium coelestium – Kernaussage: Die Erde kreist um die Sonne, nicht umgekehrt. Immer die kleinere Masse um die ganz große. Insofern passt das hier schon, denn wie unser Globus um das Zentralgestirn, kreist der neue A8, um den es hier geht, um den Weltkörper, wenn auch hoffentlich stets in direkter Tuchfühlung mit dessen Oberfläche.

    foto: reuters
    Mit 5,17 m und 5,30 m Länge wird Audis Flaggschiff seinem repräsentativen Anspruch absolut gerecht. Die in Neckarsulm gebaute Luxuslimousine tritt erneut vor allem gegen Mercedes S-Klasse und BMW 7er an. Beim autonomen Fahren setzt der A8 sich an die Weltspitze, die Technik dazu stammt von der Wiener Firma TTTech.

    Wie das geschieht, hat nicht mehr zwangsläufig mit der lenkenden Hand des Menschen zu tun, doch dazu weiter unten. 2015 wählte Audi Barcelona zum Austragungsort einer Etappe seiner Urban-Future-Initiative, bei der Gelegenheit flanschte man sich im Messegelände gleich an den Smart City Expo World Congress an, einen Branchentreff zur Zukunft der urbanen Infrastruktur.

    foto: andreas stockinger

    Genau dort, in der Messehalle, machte der deutsche Hersteller nun auf mehr als 10.000 Quadratmetern einen auf ganz dicke Hose. Rund 2000 geladene Gäste aus aller Welt waren zum "Audi Summit" geladen, Hauptgrund: Weltpremiere des A8. Audi-Chef Rupert Stadler nutzte den Anlass aber gleich für eine bombastische Inszenierung dessen, was Audi heute ist (anhand von rund 70 Autos, symbolträchtig um einen grünen Hügel mit Bäumchen drapiert), morgen wird und übermorgen sein möchte. Von Sport über Elektro bis digitale Revolution, Transformation und AI.

    foto: reuters
    Innen tut Audi den größten Sprung, "MMI touch response" heißt das neue Bedienkonzept, im Zentrum steht ein 10,1-Zoll-Display. Unten ein Modell des kommenden Plug-in-A8 mit 449 PS.

    AI, das ist nicht der falsch rum geschriebener Ruf des Esels, steht auch nicht direkt für artifizielle Intelligenz, sondern für Audis Intelligenz aus Ingolstadt. Ein neues Markenzeichen und ein "Technologieversprechen" im Dunstkreis der Begriffe Autonomie, Intelligenz, Innovation. Denn: Das Leben leichter machen, die Fahrt sicherer, das seien Eckpunkte der neuen Definition von Premium. In Stadlers Worten: "In einem selbstfahrenden Auto gilt künftig als Premium, wie ich meine Zeit am besten und effizientesten nutze."

    Damit und mit dem Hinweis auf drei rein batterieelektrische Audis bis 2020 wenden wir uns dem Flaggschiff zu. Der A8 läutet zugleich die neue Designära unter der Ägide von Designchef Marc Lichte ein. Designrevolution? Na ja, für Experimente ist in dieser Fahrzeugklasse wenig Spielraum, nur Lexus versucht das, mit dem LS.

    foto: andreas stockinger

    Andererseits steht dieser Herr der vier Ringe schon sehr stilsicher und selbstbewusst auf den Rädern, und wenn beim Starten und Abstellen am Heck die OLEDs selbiges jeweils in einer eigenen Lichtchoreografie nach außen signalisieren: Das hat schon was. Licht läuft rundum = Revolution.

    Digitales Ökosystem

    Innen geht's weiter mit dem R-Wort. Audi schließt das verdienstvolle MMI-dreh-drück-Kapitel zugunsten eines ganz neuen Touch-Bedienkonzepts. Erst einmal ist die Mittelkonsole schwarz, sie erwacht erst beim Öffnen des A8 zum Leben und lässt sich übrigens weitgehend individuell gestalten. Hier wird das Auto als "digitales Ökosystem" konkret fühl- und greifbar. Wie benutzer(un)freundlich das dann ist, wissen wir nach den ersten Testfahrten.

    foto: andreas stockinger

    Da werden wir auch wissen, was er hinsichtlich hochautonomen Fahrens kann. In der fünfteiligen Skala nach Wiener Konvention soll der A8 schließlich der weltweit Erste sein, der Stufe drei realisiert. Revolution! Mitverantwortlich dafür zeichnet die Wiener Hightech-Schmiede TTTech respektive deren zentrale Fahrerassistenzsystemplattform.

    Parkpilot, Garagenpilot, Staupilot heißen die drei Hauptfunktionäre mit Pilotenausbildung. Der Staupilot übernimmt auf Autobahnen und "Bundesstraßen mit baulicher Trennung" bis 60 km/h die Fahraufgabe, man drücke nur vertrauensvoll die AI-Taste in der Mittelkonsole. Erstmals kann der Fahrer dann die Hände dauerhaft vom Volant nehmen und sie für wichtigere Aufgaben verwenden.

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    Karosserie: Aus Voll-Alu wird ein Materialmix inklusive hochfesten Stählen, Magnesium und CFK.

    Apropos Sensorik und Sicherheit: Bei drohendem Seitenaufprall hebt sich der A8 um acht Zentimeter. Vielleicht damit man den SUVs auf Flankenhöhe begegnen kann. Jedenfalls zur Reduzierung möglicher Unfallfolgen.

    In Österreich startet der A8 in Lang- (5,30 m) und Kurzversion (5,17 m) gegen Jahresende, als Einstiegspreis ist ein Betrag um die 100.000 Euro ventiliert. Die Luxuslimo kommt zunächst mit zwei 3,0-Liter-Aggregaten, je einem Benziner (340 PS) und Diesel (286 PS). Es folgen zwei V8 und ein W12, und bei allen fünf Motorisierungen handelt es sich dank konsequenter Antriebselektrifizierung und 48-Volt-Bordnetz um Mild-Hybrid-Ausformungen. Ein Plug-in-A8 mit 449 PS und bis zu 50 km E-Reichweite folgt später.

    Derweil dreht sich die Erde weiter. Und bald die A8er auf ihr. Revolution, wohin man blickt. (Andreas Stockinger, 18.7.2017)

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    Audi

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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