Am Porsche Hand anlegen

    21. Juli 2017, 11:30
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    Die gute alte (und auch neue) Handwerkskunst lebt. Wie sehr, zeigte ein "Porsche Exclusive Manufaktur "-Workshop.

    Zuffenhausen – Lack und Leder. Und noch viel mehr. Alu, Karbon, Alcantara, Leder, Holz, allesamt höchstwertige Materialien. Liebevoll von Hand oder Spezialhightech bearbeitet und entsprechend teuer. Wo Autos und die darin steckende Technik immer verwechselbarer werden, gibt es einen Luxustrend, der sich fast euphemistisch Individualisierung nennt.

    foto: porsche
    In der Porsche Exclusive Manufaktur entsteht der auf 500 Stück limitierte 911 Turbo S Exclusive mit 607 PS, Kostenpunkt: 316.535 €.

    Gut, Porsche hat schon grundsätzlich nicht so sehr das Problem der Verwechselbarkeit. Dass aber gerade bei der Sportwagenmarke mit angehängter SUV- und Limousinenproduktion die Wunschliste nach dem besonderen "Nochvielmehr" lang ist, kommt sowohl der satten Ertragslage als auch dem Markenmythos entgegen. Was bei Rolls-Royce und Bentley funktioniert, klappt auch bei Porsche. Beruhigend dabei: Geld und Geschmack treffen nicht immer und zwangsläufig aufeinander.

    Edel und gut

    Erst kürzlich, zum 1. Juni, hat Porsche der für solche Agenden zuständigen Abteilung ein neues Gesicht gegeben, einen neuen Namen (Porsche Exclusive Manufaktur), zugleich wurde die Arbeitsfläche im geschichtsträchtigen Rösslebau in Zuffenhausen auf 1500 m2 verzweieinhalbfacht, um der ständig wachsenden Nachfrage Herr und Frau zu werden.

    foto: porsche
    Neben Kleinserien stemmen die Mitarbeiter dort allgemeine Veredelungsumfänge, häufig in Leder.

    Die "Exklusivler" veredeln Autos, knapp 40 Prozent aller 911er werden hier in Handarbeit verfeinert, meist sind es spezielle Lederumfänge, Porsche-Wappen auf den Kopfstützen, Sportauspuffanlagen – 15.000 Autos waren es 2016; sie haben Kleinserien wie den 959 verantwortet; und um zu demonstrieren, was die 180 Mitarbeiter draufhaben, ward anlässlich eines Workshops ein besonderes Schmankerl präsentiert, das zeigt, was alles man in der weiten Welt zwischen Handwerk und Hochtechnologie zuwege bringt.

    foto: porsche

    Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Getreu Goethes Faust steht da ein gülden kolorierter Zauberturbo vor uns, 911 Turbo S Exclusive Series. Nicht einer mit läppischen Serien-580-PS, sondern mit g' schmackigen 607. Den Sprint erledigt der statt in 9,9 Sekunden in 9,6 – den auf 200 km/h. Ein 911er, den nicht jede oder jeder kaufen kann, sondern nur 500 Kunden weltweit. Man mag sich gar nicht ausmalen, wie viele Superreiche das unglücklich machen wird. Porsche hat vorgesorgt, mit eigens auf Leerausgängler spezialisierten Psychiatern.

    foto: porsche

    Stimmt, das war geflunkert. Real ist indes der Preis – 316.535 Euro wären in Österreich für das exquisite Gerät fällig. Ist aber eh theoretisch, weil bestenfalls zwei bis drei Autos den Weg in die Alpenrepublik finden werden. Die Produktion startet im September, im März läuft auch schon der Letzte der 500 aus der Manufaktur.

    Karbon

    Kernaussage: Wir können alles, was Sie sich (vielleicht gar nicht einmal) vorstellen können. Und welcher Aufwand betrieben wird! Backe, backe, Häubchen: Allein in der Karbon-Motorhaube – backen, trocknen etc. – stecken 240 Stunden Arbeitszeit. Um den Goldeffekt ins Interieurkarbon zu bringen, webt man feine Kupferdrähte ein, eine eigene Wissenschaft, die musste erst erarbeitet werden.

    foto: porsche
    Stoppuhr läuft: Zum Exclusive-Porsche hat Porsche Design Timepieces eine eigene Uhr entwickelt. Je Auto ist nur eine erhältlich, 500 Stück maximal also – kostet 9950 €.

    Übrigens. Wer einen dieser 500 erwirbt, hat auch Anrecht auf ein Zeitmessinstrument von Porsche Design. Für diesen "Chronograph 911 Turbo S Exclusive Series" wurde eigens ein mechanisches Uhrwerk entwickelt, von Porsche Design Timepieces in Solothurn. Der Rotor hinten gleicht der Originalfelge des Fahrzeugs. Kostenpunkt: 9950 Euro. Da wächst auch zusammen, was zusammengehört – Porsche Design mit Sitz in Zell am See ist, wie der 911, ein Kind von Ferdinand "Butzi" Porsche. Neuerdings mehrheitlich im Besitz der Porsche AG. Gute Zeiten.

    Da wir uns aber beim Schlüssellederband-Nähen so patschert angestellt haben, bewerben wir uns lieber nicht in der Manufaktur ... (Andreas Stockinger, 21.7.2017)

    foto: porsche

    Link:

    Porsche

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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