Polnisches Radio soll Journalisten unter Druck gesetzt haben

    13. Juli 2017, 16:12
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    Dabrowski wurde nach kritischen Fragen an Ministerpräsidentin Szydlo Jobsuche nahegelegt

    Warschau – Der polnische Rundfunk Polskie Radio sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, er habe einen Journalisten nach kritischen Fragen an Ministerpräsidentin Beata Szydlo beurlaubt. Das polnische Zentrum für Pressefreiheit (CMWP) forderte nun Aufklärung im Fall des Journalisten Wojciech Dabrowski.

    Dieser hatte Szydlo unter anderem gefragt, warum sich US-Präsident Donald Trump bei seinem jüngsten Polen-Besuch nicht zu einem persönlichen Gespräch mit ihr getroffen habe. "Das ist eine weitere Situation, in der sie, so könnte man sagen, im Schatten (anderer) gestanden haben", sagte er der Politikerin am vorigen Freitag in der Sendung "Signale des Tages". Szydlo ist zwar Regierungschefin, die allein regierende, rechtskonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) wird aber von Ex-Premier Jaroslaw Kaczynski geführt, der ohne Regierungsamt als starker Mann Polens gilt.

    Rundfunkanstalten als "nationale Kulturinstitute"

    Druck auf Journalisten auszuüben oder ihnen mit dem Entzug von Sendungen zu drohen, gefährde die Meinungsfreiheit und behindere den öffentlichen Diskurs in Polen, kritisierte das Zentrum für Pressefreiheit. Seitens des Senders hieß es, Dabrowski sei wie viele andere seiner Kollegen auf Sommerurlaub und nicht entlassen worden. Er selbst sagte dem Portal "300politika.pl", man habe ihm angedeutet, sich eine neue Arbeit zu suchen.

    Die PiS-Regierung hatte Ende 2015 ein umstrittenes Mediengesetz beschlossen, das die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in "nationale Kulturinstitute" umwandelte. Schon damals folgte Beobachtern zufolge eine Entlassungswelle. (APA, dpa, 13.7.2017)

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