Wenn Bläschen auf dem Kaffee Ekelgefühle auslösen

13. Juli 2017, 17:19
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Britische Psychologen führen vermeintliche Angst vor Lochmustern auf evolutionär bedingten Ekel vor Parasiten zurück

foto: reuters/carlo allegri
Frischer Kaffee macht den einen Appetit und den anderen Gänsehaut.

Canterbury – Wenn sich zarte Bläschen auf frisch aufgebrühtem Kaffee bilden, liegt das an freigesetztem Kohlendioxid; gebildet hat sich dieses während des Röstungsprozesses. Dieses Wissen hilft Menschen, die an der sogenannten Trypophobie leiden, allerdings nicht. Bei ihnen löst der Anblick von Mustern aus kleinen blasen- oder lochartigen Formen Gefühle von Abscheu oder gar Angst aus. Die Löcher eines Badeschwamms können die gleiche Reaktion hervorrufen.

Psychologen der Universität Kent sind den Ursachen der seit längerem im Internet herumgeisternden "coffee bubble phobia" mit einem Experiment nachgegangen, an dem 300 Phobiker und 300 Nichtbetroffene teilnahmen. Diese Probanden wurden mit "Ekelbildern" konfrontiert: Die einen zeigten krankhafte Hautveränderungen in Kreisform, Pockennarben oder Ansammlungen von Zecken, die anderen harmlose Motive wie Bohrlöcher in einer Ziegelmauer oder Lotoskapseln.

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Findet auch nicht jeder schön: die Samenkapsel einer Lotospflanze.

Hintergrund der Bilderauswahl: Die Forscher um Tom Kupfer wollten die Hypothese überprüfen, ob durch die vermeintliche oder tatsächliche Phobie beliebige Lochmuster auf die gleiche Weise wahrgenommen werden wie die Spuren, die Krankheitserreger und Parasiten auf dem menschlichen Körper hinterlassen.

Aufschlussreiche Reaktionen

Und wie Kupfers Team im Fachjournal "Cognition and Emotion" berichtet, dürfte dieser Erklärungsversuch tatsächlich zutreffen: Die Phobiker reagierten auf beide Arten von Bildern gleich: mit starkem Widerwillen, bei manchen verbunden mit Übelkeit und dem Bedürfnis, sich zu übergeben. Häufig beschrieben wurde auch das Gefühl, die Haut würde beim Anblick der Bilder zu jucken beginnen.

Die Nichtphobiker hingegen ekelten sich nur vor den Krankheitsbildern. Und Ekel ist dabei das entscheidende Stichwort: Bei einer anschließenden Befragung der Probanden sprach nämlich auch von den Phobikern nur eine kleine Minderheit von Angstgefühlen, die meisten hingegen von intensivem Ekel.

Selbstschutzmechanismus

Das spricht gegen eine Einstufung als Phobie, bei der so unterschiedliche Faktoren wie große Höhe, geschlossene Räume oder bestimmte Tiere ja tatsächlich Angst auslösen. Die – ohnehin noch nicht offiziell anerkannte – Bezeichnung Trypophobie sei daher unzutreffend, so die Forscher. Es handle sich vielmehr um eine Aversion.

Deren Wurzeln liegen laut Kupfer in unserer Evolutionsgeschichte: Die hat uns gelehrt, auf potenziell Krankmachendes mit Ekel zu reagieren und es so zu meiden. Bei der Aversion gegen Lochmuster schießt dieser Selbstschutzmechanismus lediglich übers Ziel hinaus. (jdo, 13.7.2017)

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