Texte in Stellenanzeigen: "Akute Substantivitis"

14. Juli 2017, 09:00
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Eine Analyse von 150 Jobinseraten zeigt: Zwei von dreien sind kompliziert formuliert. Nur jedes vierte liefert ein klares Bild der Aufgaben

Wer seinen Traumjob sucht, landet allzu oft im Wortnebel – das macht eine aktuelle Analyse der Textagentur Wortwelt deutlich. Sie zeigt: Eintönige Jobfloskeln, Hauptwortstil und Schachtelsätze sind der Stoff, aus dem viele Stellenanzeigen gemacht werden.

Die Unklarheit beginne schon beim Firmenprofil, schreiben die Studienautoren. Was Interessierte hier zu lesen bekämen, sei oft "Marketingsprech": Demnach sind alle Unternehmen "führend" und "innovativ". Deutlicher wurden laut Analyse nur 28 Prozent der Inserate.

Viel Interpretationsspielraum

Nur etwa ein Viertel der Jobinserate liefere eine klare, greifbare Beschreibung der Aufgaben, die jemanden in dem Job erwarten würden. "In der Anzeige steht zum Beispiel 'Konzeptentwicklung' oder 'Unterstützung der GL'. Doch was bedeutet das?" Diese Begriffe ließen zu viel Interpretationsspielraum, sagt Johannes Angerer von Wortwelt.

Auch mit wem man zusammenarbeitet und was der Sinn und Zweck der Arbeit ist, lasse der Großteil der Stellenanzeigen offen. Nur zwei von 150 analysierten Inseraten beschrieben das direkte Umfeld. Lediglich neun Prozent der Anzeigen erklärten, worauf die Tätigkeit genau abziele. Auch die Unternehmenskultur werde in rund der Hälfte der analysierten Inserate nicht thematisiert, in nur drei Prozent der Fällen klar umrissen.

"Akute Substantivitis"

Auch in Bezug auf Sprache weist Wortwelt die analysierten Stellenanzeigen als mangelhaft aus. Zwei von drei Inseraten seien unnötig kompliziert formuliert. Wortwelt konstatiert "akute Substantivitis": "Bei dieser Sprachkrankheit verstecken sich die konkreten Tätigkeiten hinter klobigen Hauptwörtern wie 'Durchführung von X' und 'Koordinierung von Y'."

Immerhin knapp die Hälfte der Unternehmen sage klar, was sie sich von Bewerbern und Bewerberinnen erwarten würden, "wobei manche Anforderungslisten schon sehr nach Wunderwuzzi klingen". In diesen Listen fanden die Studienautoren allerdings häufig Floskeln wie "flexibel" und "kommunikativ".

Angerer appelliert dazu, klarer und verständlicher zu sein: "Schärft man den Text, steigt die Zahl potenziell guter Bewerbungen deutlich."

Mehr Professionalität gefragt

Eine deutsche Studie aus dem Vorjahr, für die rund 120.000 Online-Inserate analysiert wurden, kam zu einem ähnlichen Ergebnis. "Die meisten Stellenanzeigen, die wir uns angesehen haben, waren aus handwerklicher Perspektive mangelhaft, voller Füllwörter, Bandwurmsätze und Substantivierungen", schreiben die Studienautoren. Auch sie plädieren für mehr Professionalität. (lib, 14.7.2017)

  • Kompliziert und unklar formulierte Anzeigen als Hindernis bei der Jobsuche?
    foto: istock

    Kompliziert und unklar formulierte Anzeigen als Hindernis bei der Jobsuche?

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