Immer mehr Kleinstunternehmer schlittern in Pleite

13. Juli 2017, 10:29
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Auch die Insolvenzabweisungen mangels Masse sind bei den nichtprotokollierten Einzelunternehmen rasant gestiegen

Wien – Die Gläubigerschutzverbände AKV und Creditreform haben am Donnerstag unabhängig voneinander ihre Insolvenzstatistiken für das erste Halbjahr veröffentlicht. Beide zeigen einen klaren Rückgang bei eröffneten Unternehmens- und Privatinsolvenzen.

Die Creditreform weist 1.617 eröffnete Firmeninsolvenzen aus (minus 5,1 Prozent), der AKV 1.563 (minus 4,2 Prozent). Aber: "Die Insolvenzabweisungen mangels Masse bei den nichtprotokollierten Einzelunternehmen sind explosionsartig gestiegen", so der AKV.

Von 1.394 Gesamtinsolvenzen nichtprotokollierter Einzelunternehmen wurden demnach 742 abgewiesen, ein Jahr zuvor waren lediglich 570 abgewiesen worden. Eine Ursache für die vielen Pleiten von Einzelunternehmen sei die angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt und eine damit häufig verbundene "Flucht in die Selbstständigkeit".

Agrartech größte Pleite

Die größte Insolvenz nach Verbindlichkeiten legte laut Creditreform die oberösterreichische FS Agrartech GmbH mit Passiva von 68,4 Millionen Euro hin. Die meisten Arbeitnehmer betroffen waren bei der Wiener Troges Gesellschaft für Trocknungs- und Wärmetechnik m.b.H., die mit 119 Mitarbeitern insolvent wurde.

Mehr Privatkonkurse ab November erwartet

Die Statistiken zeigen auch deutlich, dass die eröffneten Privatinsolvenzen zurückgegangen sind: Ihre Zahl ist gegenüber dem Vorjahr um über 28 Prozent auf etwas mehr als 3.000 gesunken. Beide Kreditschutzunternehmen sind sich sicher, dass der Rückgang den Erleichterungen beim Privatkonkurs ab November geschuldet ist.

"Die beschlossene Reform mit der Möglichkeit einer Entschuldung in fünf Jahren ohne jegliche Rückzahlung hat zu einem Abwarten bei den Schuldnern geführt. Mit Inkrafttreten der Novelle am 1. November werden die Privatinsolvenzen explosionsartig in die Höhe schnellen", sagt Creditreform-Geschäftsführer Gerhard Weinhofer. "Gläubigern ist zu raten, ab sofort noch sorgfältiger zu prüfen, mit wem sie Geschäfte machen, und ihre Leistungen besser abzusichern." (APA, 13.7.2017)

  • Bei Privaten gingen die Insolvenzen zurück.
    foto: dapad/gambarini

    Bei Privaten gingen die Insolvenzen zurück.

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