Lobbying: Google "beeinflusst Entscheidungsträger auf jeder Ebene"

13. Juli 2017, 10:18
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Campaign for Accountability fand 329 wissenschaftliche Arbeiten, die vom IT-Riesen mitfinanziert wurden – Google nennt Bericht "irreführend"

Der Techkonzern Google hat im vergangenen Jahrzehnt einen rasanten Aufstieg erlebt. Aus der Suchmaschine ist ein mächtiger Ökosystem-Betreiber geworden, ohne dessen Dienste die moderne Kommunikation heute kaum vorstellbar wäre.

Doch der Konzern soll seine Macht massiv für Einflussnahme nutzen, kritisiert nun die in den USA ansässige "Campaign for Accountability" (CfA) in einem Bericht. "Google setzt seine immense Macht und seinen Reichtum ein, um Entscheidungsträger auf jeder Ebene zu beeinflussen", zitiert der Guardian die 2015 gegründeten Initiative, die sich nach eigenen Angaben unter anderem der Aufdeckung von verdecktem Lobbying widmet.

Hunderte Studien mitfinanziert

Man hat 329 wissenschaftliche Arbeiten entdeckt, die zwischen 2005 und 2017 veröffentlicht wurden und an dessen Finanzierung Google beteiligt gewesen sein soll. Darunter befinden sich auch einige Arbeiten von prestigeträchtigen Universitäten wie Oxford, Stanford, dem MIT oder der Berlin School of Economics.

Die Arbeiten scheinen häufig Googles eigene Interessen zu stützen. Dabei geht es etwa um Themen wie staatliche Regulierungen oder Anti-Piraterie-Maßnahmen. Google soll sich entweder direkt an der Finanzierung beteiligt haben, oder über eine vom Konzern unterstützte Institution oder Gruppe. Die ermittelten Beträge liegen zwischen 5.000 und 400.000 Dollar. In zwei Drittel der Fälle sollen die Autoren ihre Finanziers nicht angeführt haben.

Bei CfA ruft man nun die Regulatoren auf, genauer hinzusehen, wer die ihnen vorgelegten, wissenschaftlichen Arbeiten finanziert hat. Weiters fordert man Studienautoren auf, ihre Einnahmequellen konsequent offen zu legen.

Google: Bericht ist "höchst irreführend"

Bei Google ist man über den Bericht nicht begeistert und nennt ihn "höchst irreführend", denn es wurden dem Konzern sämtliche Organisationen zugerechnet, an die man jemals Geld gespendet habe. Weiters heißt es in einem Blogeintrag: "Unsere Unterstützung für die Prinzipien eines offenen Interents wird von vielen Akademikern und Institutionen geteilt, die schon lange diese Themen beforschen."

Man liefere lediglich Unterstützung, damit sie ihre Arbeit weiter vorantreiben und Aufmerksamkeit für ihre Ideen generieren könnten. Einige der Autoren hätten in ihren Arbeiten auch Haltungen von Google zu verschiedenen Themen kritisiert. Man gehe zudem davon aus, dass die Wissenschaftler ihre Einnahmequelle offen legen.

Kritik an CfA

Gleichzeitig schießt man auch scharf gegen CfA zurück. Es sei seltsam, dass man dort über Verantwortung und Transparenz spreche, ohne offen zu legen, dass man selbst finanziell von Oracle unterstützt werde. Oracle und Google befinden sich schon länger im Clinch, unter anderem in Bezug auf technische Bestandteile des Android-Betriebssystems.

Auf den Vorwurf geht die Initiative nicht ein. "Immer wenn Googles Verhalten beleuchtet wird, zeigt man mit dem Finger auf andere", so die Reaktion von CfA-Chef Daniel Stevens. Er sieht den Konzern mit seinem "akademischen Astroturfing" in einer Liga mit der Öl- und Tabaklobby. (red, 13.07.2017)

  • CfA wirft Google verdecktes Lobbying vor, Google verweist darauf, dass die Initiative unter anderem von Erzfeind Oracle gesponsert wird.
    foto: reuters

    CfA wirft Google verdecktes Lobbying vor, Google verweist darauf, dass die Initiative unter anderem von Erzfeind Oracle gesponsert wird.

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