Trump macht Sohn in Russland-Affäre keine Vorwürfe

13. Juli 2017, 05:54
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"Ich glaube, viele Leute hätten dieses Treffen wahrgenommen" – Selbst habe er nichts gewusst

Washington – US-Präsident Donald Trump hält das Treffen seines Sohns Donald Trump Jr. mit einer russischen Anwältin im Wahlkampf für verzeihlich. Er mache seinem Sohn deswegen keine Vorwürfe, sagte der Präsident am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich glaube, viele Leute hätten dieses Treffen wahrgenommen." Er selbst habe von dem Treffen erst vor einigen Tagen zum ersten Mal erfahren.

In einem weiteren Interview mit dem christlichen TV-Sender CBN sagte Trump, er komme gleichwohl mit Russlands Präsident Wladimir Putin "sehr gut aus". Das sei auch wichtig, weil es für die Welt von Vorteil sei, wenn die Chefs zweiter großer Länder mit Atomwaffen ein gutes Auslangen fänden. Allerdings vermute er, dass sich Putin nicht ihn, sondern seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton im Weißen Haus gewünscht habe. Diese sei dafür eingetreten, das US-Militär zu verkleinern und die Energiekosten zu erhöhen – wovon sich Putin gewiss mehr Vorteile erwartet habe als von ihm.

Das Gegenteil – eben mögliche russische Unterstützung für Trump – ist Hauptgegenstand der Vorwürfe gegen Donald Trump Jr. Dieser hatte am Dienstag einen Mailwechsel veröffentlicht, in dem er einem Treffen mit der russischen Anwältin Natalja Weselnizkaja zustimmt. Demnach erhoffte er sich von ihr belastendes Material über Clinton, das laut der Mail von der russischen Regierung "und deren Kampagne zugunsten von Herrn Trump" stammen sollte. Trump Jr. selbst verteidigte die Unterredung als "Recherche über die Opposition", räumte zugleich allerdings ein: "Im Rückblick hätte ich die Dinge wahrscheinlich etwas anders gemacht."

Präsident bestreitet Absprachen

Präsident Trump bestritt im Reuters-Interview erneut geheime Absprachen zwischen seinem Wahlkampfteam und Russland: "Es gab null Abstimmung. Das ist das Dümmste, was ich je gehört habe." Zugleich wiederholte er, dass Putin beim Treffen am Rande des G20-Gipfels in Hamburg jede Einmischung in den US-Wahlkampf bestritten habe. "Ich sagte: 'Haben Sie es getan?' Und er sagte: 'Nein, ich habe es nicht getan. Absolut nicht.' Dann fragte ich ihn ein zweites Mal auf ganz unterschiedliche Weise. Er sagte: 'Absolut nicht.'" Auf die Frage, ob er Putin glaube, antwortete Trump ausweichend: "Schauen Sie: Etwas ist passiert, und wir müssen herausfinden, was es ist, denn wir können nicht zulassen, dass so etwas in unserem Wahlprozess passiert", sagte er.

Die bekanntgemachten E-Mails sind bislang der konkreteste Hinweis darauf, dass Vertreter von Trumps Team bereit waren, für den Wahlsieg russische Hilfe anzunehmen. Mit dem Thema befassen sich mehrere Kongressausschüsse und ein Sonderermittler. US-Geheimdienste sind zu der Einschätzung gekommen, dass die russische Regierung sich in den Wahlkampf eingemischt hat, um dem Milliardär zum Sieg zu verhelfen. (Reuters, red, 13.7.2017)

  • Präsident Donald Trump (re.) macht Präsidentensohn Donald Trump (li.) in der Affäre um dessen Treffen mit einer russischen Anwältin keine Vorwürfe.
    foto: reuters / jim young

    Präsident Donald Trump (re.) macht Präsidentensohn Donald Trump (li.) in der Affäre um dessen Treffen mit einer russischen Anwältin keine Vorwürfe.

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