SAP Südafrika unter Schmiergeldverdacht

13. Juli 2017, 12:00
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Deutscher Softwarehersteller soll in Skandal um Unternehmerfamilie Gupta verwickelt sein

Als eines der ersten internationalen Unternehmen ist der deutsche Softwarekonzern SAP in den Skandal um die indischstämmige Gupta-Familie verwickelt worden, der das Kap der Guten Hoffnung und die Präsidentschaft Jacob Zumas erschüttert. Nach Informationen eines Teams von Enthüllungsjournalisten hat SAP, das in Südafrika eine große Niederlassung hat, einer mit der Gupta-Familie verbundenen Firma insgesamt fast sieben Millionen Euro überwiesen. Dabei soll es sich um Schmiergeld handeln.

Brett Parker, SAP-Geschäftsführer in Südafrika, bezeichnete die Vorwürfe zwar als "unzutreffend und unbegründet". Doch den Journalisten zugespielte Dokumente sprechen eine andere Sprache.

Zehn Prozent Provision

Unumstritten ist, dass SAP Südafrika im August vor zwei Jahren mit "CAD House" – einer kleinen Firma, die 3D-Drucker verkauft und mit dem Geschäftsimperium der Gupta-Familie verknüpft ist – einen Vertrag geschlossen hat: Für den Fall, dass es zum Abschluss eines Vertrags zwischen SAP und dem staatlichen Transportunternehmen Transnet mit einer Mindesthöhe von 100 Millionen Rand (rund sieben Millionen Euro) kommt, soll CAD House zehn Prozent Provision erhalten.

SAP bestreitet die Existenz dieses Vertrags nicht, besteht jedoch darauf, dass es sich dabei nicht um Schmiergeld, sondern um die Regelung einer Dienstleistung gehandelt habe, die CAD House tatsächlich erbrachte. Um welche Dienstleitung es genau ging, wollte der Konzern auf Nachfrage nicht mitteilen.

100 Millionen Rand

Nach Erkenntnissen der amaBhungane (Die Mistkäfer) genannten Journalistengruppe überwies SAP Anfang 2016 insgesamt fast 100 Millionen Rand in mehreren Tranchen an die Firma CAD House – zehnmal mehr, als der Vertrag mit SAP vorsah. Beim Rest der Summe könne es sich um weitere Schmiergeldzahlungen handeln, die für Deals zwischen SAP und anderen staatlichen Unternehmen wie dem Stromkonzern Eskom angefallen seien, sprach einer der Enthüllungsjournalisten die Vermutung aus.

Dass CAD House in Wahrheit als "Frontunternehmen" benutzt wurde, über das Schmiergeldzahlungen für die mit dem südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma verbundene Gupta-Familie abgewickelt wurden, legt auch die Tatsache nahe, dass die SAP-Überweisungen nicht beim CAD-House verblieben, sondern sogleich an andere Gupta-Firmen weitergeleitet wurden. Das belegen Bankunterlagen, die amaBhungane vorliegen.

Die Recherche der Journalisten stützt sich außerdem auf rund 200.000 E-Mails, die ihnen bereits vor Wochen zugespielt wurden. Die drei Gupta-Brüder waren kurz nach der politischen Wende 1994 nach Südafrika gekommen und hatten sich mit dem späteren Präsidenten Jacob Zuma angefreundet. Dessen Sohn Duduzane sitzt heute als Direktor in zahlreichen Unternehmen der Guptas. (Johannes Dieterich aus Johannesburg, 13.7.2017)

  • Ajay and Atul, zwei der drei aus Indien stammenden Gupta-Brüder. Sie haben in Südafrika ein Netzwerk an Beziehungen aufgebaut und sind auch mit Präsident Jakob Zuma gut befreundet.
    foto: imago

    Ajay and Atul, zwei der drei aus Indien stammenden Gupta-Brüder. Sie haben in Südafrika ein Netzwerk an Beziehungen aufgebaut und sind auch mit Präsident Jakob Zuma gut befreundet.

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