ORF – Betriebsrat verärgert über finanzielles "Drohszenario"

    12. Juli 2017, 17:17
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    Moser: Kaufmännischer ORF-Direktor verbreite Bild eines knapp 200 Millionen Euro-Minus in den kommenden fünf Jahren – Entbehre "jeglicher sachlichen Grundlage"

    Wien – ORF-Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser hat am Mittwoch gegenüber der APA ein "Drohszenario" beklagt, dass der kaufmännische Direktor des ORF, Andreas Nadler, derzeit verbreite. Das Medienmagazin "tv-media" hatte zuvor berichtet, dass "langfristige Budget-Berechnungen, die kürzlich ORF-intern präsentiert" worden seien, ein "düsteres Bild" für die finanzielle Zukunft des ORF gezeichnet hätten.

    Kein "Horrorszenario" dank Sparkurs

    Gemäß "tv-media" – in dessen Bericht Nadlers Name allerdings nicht erwähnt wird – soll sich laut den internen Berechnungen in fünf Jahren angeblich ein Minus von 192 Mio. Euro ansammeln, sofern die aktuellen Personal- und Produktionskosten fortgeschrieben werden. Gleichzeitig wird in dem Bericht betont, dass dieses "Horrorszenario" angesichts des bereits eingeschlagenen Sparkurses wohl nicht eintreten dürfte.

    Moser gab sich angesichts der verbreitetenZahlen verärgert: "Das, laut 'tv-media', vom Kaufmännischen Direktor verbreitete Bild eines knapp 200 Millionen Euro Minus in den kommenden fünf Jahren entbehrt jeder sachlichen Grundlage, und ist nichts anderes als ein weiteres Drohszenario. Verfasst von einem Unternehmensdirektor, der justament Ende Juni, an einem Freitag um 17 Uhr, die Belegschaft wissen ließ, dass es 'neue' Personalsparmaßnamen gebe, die von den bereits bekannten 'blechernen handshakes' bis zu 'Abfertigungsübertragungen' und 'JungausteigerInnenmodellen' reichten."

    Sparkurs "konsequent fortsetzen"

    Moser ortete "einseitige Maßnahmen, ohne Einbindung der Belegschaftsvertretung, die für eine hochgradige Unruhe im Unternehmen gesorgt haben". Auch fragte er sich, was "Jungaussteigermodelle" in einem Unternehmen bewirken sollen, "das dringend auf junge und neue Kräfte angewiesen ist". "Man hätte die MitarbeiterInnen des Hauses, die nach jahrelangem Personalabbau und diversen Sparpaketen ohnehin über ihre Belastungsgrenzen hinaus gehen, freundlicher und optimistischer in den Sommer entlassen können", meinte Moser.

    Seitens des ORF hieß es dazu, um 2017 und in den Folgejahren ausgeglichen bilanzieren zu können, müsse der ORF seinen Sparkurs in allen Bereichen "konsequent fortsetzen". "Ohne Gegensteuerungsmaßnahmen steigen in den kommenden Jahren die Kosten stärker als die Erträge. Letzteres liegt unter anderem etwa an den gesetzlichen und regulatorischen Beschränkungen, dem Entfall der Refundierung der Programmentgeltbefreiungen – dem ORF entgehen pro Jahr etwa 60 Mio. Euro – oder daran, dass der ORF seit Langem keinen vollständigen Inflationsausgleich bei den Programmentgelten erhält", so der ORF in einer schriftlichen Stellungnahme.

    Streitpunkt "Jungaussteigermodelle"

    Gleichzeitig würden aber die jährlichen Fixkosten weiter ansteigen. "Bisher konnte die strukturelle Unterfinanzierung des ORF mit Maßnahmen wie einem konsequenten Sparkurs oder durch Nutzung von Einmaleffekten wie dem Verkauf der Rosenhügelstudios kompensiert werden. Um in Zukunft ein ausgeglichenes Ergebnis sicherzustellen, muss der ORF seinen Sparkurs konsequent fortsetzen und wie schon bisher unter anderem auch im Personalbereich weiter einsparen", so das ORF-Statement.

    Das aktuelle Maßnahmenpaket leiste einen Beitrag dazu. Ziel sei, dass ein "möglichst großer Teil der notwendigen Maßnahmen im Personalbereich durch (gestützte) natürliche Fluktuation realisiert wird", so die Ankündigung. Das "Jungaussteigermodell" richte sich nicht an alle Mitarbeiter, "sondern an jene, die in den alten Kollektivvertragssystemen beschäftigt sind", betonte man seitens des ORF. Diese sind durchschnittlich 52 Jahre alt und überwiegend bereits mehr als 20 Jahre im ORF. Der Betriebsrat sei über diese Maßnahmen vorab informiert worden. (APA, 12.7.2017)

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