Wenn Investoren um jeden Preis Vergütungen bekommen

    15. Juli 2017, 12:00
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    Für den Erhalt der Ausschüttungsquote greifen Unternehmen laut einer Studie derzeit sogar die eigene Substanz an

    Wien – Die Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft wurden zuletzt auf 2,9 Prozent nach oben revidiert. Doch sieht man sich große, global agierende Konzerne genauer an, zeigt sich, dass das Bild noch fragiler ist als gedacht. Ablesen lässt sich das etwa an der Ausschüttungspolitik der Unternehmen. Die Security KAG hat diesbezüglich die Unternehmen, die im Index MSCI USA gelistet sind (allerdings ohne Finanzsektor, weil dort bei der Bilanzierung ein anderer Bewertungsspielraum gegeben ist), unter die Lupe genommen.

    Die Analyse der verbleibenden 509 Unternehmen zeigt folgendes Bild: Die Unternehmen haben im Vorjahr 733 Mrd. Dollar Gewinn gemacht. Dividenden (357 Mrd. Dollar), Aktienrückkäufe (383 Mrd. Euro) und Zinszahlungen (165 Mrd. Euro) sind jene Bereiche, mit denen Investoren für die Bereitstellung von Eigen- oder Fremdkapital vergütet werden. Diese Vergütungen haben sich dahingehend verändert, als von den Unternehmen mitunter keine Reserven mehr einbehalten werden. Im Gegenteil.

    Mehr ausgeschüttet als eingenommen

    "2006, also noch vor der Finanzkrise, haben die im MSCI USA notierten Unternehmen rund 15 Prozent ihrer Gewinne einbehalten, in der Krise 2011 waren es 35 Prozent", sagt Josef Obergantschnig, Chief Investment Officer der Security KAG und Mitautor der Studie Investorenvergütung 2017. Im Vorjahr wurde hingegen mehr ausgeschüttet als eingenommen. Die Firmen greifen für die Vergütung ihrer Investoren damit ihre Substanz an – und das, obwohl Ebit und Gewinn im Vergleich von 2006 zu 2011 gesunken sind.

    Dass Investoren scheinbar um jeden Preis bei Laune gehalten werden, und das Geld nicht in die Entwicklung des Unternehmens investiert wird, ist für Obergantschnig auch Zeichen dafür, dass die Wachstumsaussichten der Konzerne wohl nicht so rosig sind. Scheinbar sorge man sich um das Vertrauen der Investoren. Die Studie zeigt auch, dass der Margendruck größer geworden ist. Die Unternehmen haben zwar einen leicht erhöhten Anteil an Fremdkapital, aber die Kosten dafür sind im Niedrigzinsumfeld gesunken. Trotzdem sinken die Gewinne, was zeigt, dass die US-Firmen schwer zu kämpfen haben. Laut Obergantschnig offenbart das auch, dass das Wachstum in den USA längst noch nicht so stabil ist.

    Praxis auch in Österreich

    Zur Einordnung: Die 509 analysierten Unternehmen haben eine Marktkapitalisierung von 19,33 Billionen Dollar. Das sind 26 Prozent des weltweiten BIP, das 51-Fache des österreichischen BIP oder das 162-Fache dessen, was die an der Wiener Börse notierten Unternehmen an Marktkapitalisierung auf die Waage bringen.

    Ausschüttungen aus der Substanz gibt es auch in Österreich. OMV und die Immofinanz haben ihre Aktionäre für 2016 vergütet, obwohl sie Verluste gebaut haben. Die Uniqa hat sogar mehr als den gesamten Gewinn verteilt. (Bettina Pfluger, 15.7.2017)

    • Investoren wollen für ihr Geld eine Gegenleistung – und bekommen sie auch.  Unternehmen greifen dafür oft die eigenen Reserven an.
      foto: reuters / el ghany

      Investoren wollen für ihr Geld eine Gegenleistung – und bekommen sie auch. Unternehmen greifen dafür oft die eigenen Reserven an.

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