Profit mit Griechenland-Krediten: Ein Drama ohne Ende

Kommentar12. Juli 2017, 16:28
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Das 2010 begonnene "Hilfsprogramm" der Euroländer und des Internationalen Währungsfonds war von Beginn an falsch aufgesetzt

Ist es moralisch legitim, wenn Deutschland und andere Euroländer wie Österreich Geld mit der Griechenland-Hilfe verdienen? Darüber ist eine Debatte entbrannt, nachdem Medien berichtet haben, dass allein Deutschland über 1,3 Milliarden Euro Gewinn mit den Krediten für Griechenland gemacht hat. Um die Frage sinnvoll beantworten zu können, muss man zunächst ein paar Punkte klarstellen.

Das 2010 begonnene "Hilfsprogramm" der Euroländer und des Internationalen Währungsfonds war von Beginn an falsch aufgesetzt. Dem Land wurde ein übertriebener Sparkurs aufgezwungen, der die Wirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs geführt hat. Inmitten dieses Chaos war es völlig unrealistisch zu glauben, dass man den griechischen Staat umbauen und effizienter gestalten kann. Entsprechend wenig ist gelungen.

Durch den Konjunktureinbruch sind die Schulden des Landes, ausgedrückt in Prozent der Wirtschaftsleistung, erst recht explodiert. Die Arbeitslosigkeit liegt aktuell bei 23 Prozent – fast jeder Zweite unter 25 Jahren ist arbeitslos. Die Werte haben sich zuletzt gebessert, aber angesichts dieser Zahlen von einem Aufschwung zu sprechen ist zynisch.

Ob die Euroländer mit ihren (günstig) an Athen vergebenen Krediten Gewinne gemacht haben oder nicht, ist angesichts dieses endlosen Dramas eher irrelevant. Viel wichtiger wäre es zu diskutieren, wie ein vernünftiges Programm aussehen könnte, das Griechenland auf die Beine hilft. (András Szigetvari, 12.7.2017)

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