"Spider-Man: Homecoming": Eine Spinne mit Nervenflattern

13. Juli 2017, 10:00
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Comicheld mit Alltag: Jon Watts' erfrischender Coming-of-Age-Film im Marvel-Universum

Wien – Was drückt die erhöhte Erregungskurve des Helden besser aus als seine eigene Sicht der Dinge? "Ein Film von Peter Parker" heißt es zu Beginn von Jon Watts' Spider-Man: Homecoming, und darauf folgen die verwackelten Aufnahmen eines 15-Jährigen, dem schon beim Anblick seines neuen Hightechdresses die Nerven zu flattern beginnen. Seine Bilder vom Zusammentreffen mit den Avengers verströmen Amateurcharme, wenngleich er kräftemäßig mit den Helden schon fast mithalten kann.

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Peter Parker (beziehungsweise Spider-Man), dessen Ungeduld Tom Holland sehr überzeugend verkörpert, steht im ersten von den Marvel Studios mitverantworteten Abenteuer des Superhelden mit einem Bein im Alltag eines Jugendlichen; das andere ist schon sprungbereit für größere Missionen. Mentor Tony Stark (Robert Downey Jr.) hält den Nachwuchs allerdings noch an der langen Leine. Als klassischer "Rookie" soll Peter fürs Erste nur im näheren Umfeld von New York seine Fähigkeiten beherrschen lernen. Dass dort mit einem Schrottunternehmer (Michael Keaton) ein ernster Widersacher zunehmend erstarkt, will niemand so recht registrieren.

Spider-Man: Homecoming ist der Coming-of-Age-Film im beharrlich anwachsenden Marvel-Universum – ein Entwicklungsdrama mit hoher Sensibilität für die komischen Widerhaken des Heranwachsens. Die Verjüngung des Helden steht durchaus in der Tradition der Comicvorlagen. Wichtiger aber ist, dass sie der erst 36-jährige Regisseur Watts ernst nimmt und auch von Parkers jugendlichen Auseinandersetzungen in einem zeitgenössischen Milieu zu erzählen weiß.

Der Kampf von Spider-Man gegen den von ähnlich wirklichkeitsnahen Nöten getriebenen Bösewicht Vulture gerät dabei fast zur Nebensache. Stilistisch beweist Watts eine sichere Hand, die klug platzierten Actionsequenzen sind eindrucksvoll, ohne nur Zauber fürs Auge zu sein. Im Standard-Interview erklärte er, dass er keine Einstellung im Film haben wollte, die nicht auch ohne Computerhilfe möglich gewesen wäre. Auch das verleiht Spider-Man: Homecoming eine Bodennähe, die im hochgezüchteten Genre der Superheldenfilme eine erfrischende Ausnahme ist. (Dominik Kamalzadeh, 13.7.2017)

  • Selbst ein Spinnenmann fällt nicht einfach vom Himmel.
    foto: sony

    Selbst ein Spinnenmann fällt nicht einfach vom Himmel.

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