Es ist so weit: Gigantischer Eisberg hat sich gelöst

12. Juli 2017, 12:18
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Bruchstück des Larsen-C-Schelfeises hat Fläche von 5.800 Quadratkilometern

foto: reuters/esa
Das jüngste Satellitenbild der ESA (datiert vom 12. Juli) zeigt ein Ende des Risses, der sich über Monate hinweg gebildet hat.

Bremerhaven – Nach monatelangem gebanntem Warten ist es nun so weit: In der Westantarktis hat sich vom Larsen-C-Schelfeis eine riesige Masse als Eisberg gelöst. Wie das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung mitteilte, treibt der nach jüngsten Messungen 5.800. Quadratkilometer große Brocken nun nach Norden und wird wohl zwei, drei Jahre brauchen, bis er geschmolzen ist – solange er nicht vorher auseinanderbricht.

Der Tafeleisberg löste sich irgendwann in der Zeit zwischen Montag und Mittwoch. Nach Angaben des britischen Antarktisprojekts Midas wird er vermutlich den Namen "A68" erhalten. Wohin er driftet, hängt von mehreren Faktoren ab. "Er schwimmt mit der Meeresströmung, aber auch der Wind spielt eine Rolle", sagt AWI-Glaziologin Daniela Jansen, die am Midas-Projekt der britischen Universität Swansea beteiligt ist. Sie vermutet, dass der Eisberg – so wie andere zuvor – entlang der Antarktischen Halbinsel zunächst gen Norden und dann nach Osten zieht. "Es kann aber dauern, bis er aus dem Meereis raus ist", sagt Jansen. Erfahrungsgemäß drifte er zunächst etwa zehn Kilometer pro Tag.

Es ist mit 175 Kilometern Länge und einer Breite von bis zu 50 Kilometern einer der größten Eisberge, die Wissenschafter in den letzten drei Jahrzehnten registriert haben. Eine unmittelbare Gefahr für die Schifffahrt soll von dem Giganten aber nicht ausgehen, der immerhin um ein Drittel größer als das Burgenland ist. "Er schwimmt in einem sehr abgelegenen Teil der Erde", sagt Jansen. "Und einen Eisberg dieser Größe kann man per Satellit super verfolgen." Schiffe wüssten somit, wo er sich gerade aufhalte.

Jetzt, wo der Eisberg abgebrochen ist, sei er für die Wissenschafter gar nicht mehr so spannend. "Uns interessiert, wie es an der Kalbungsfront des Larsen-C-Schelfeises weitergeht", betont Jansen. Schelfeise sind auf dem Meer schwimmende Eisplatten, die von Gletschern gespeist werden und mit ihnen noch verbunden sind. Das Larsen-C-Schelfeis ist das viertgrößte Schelfeis der Antarktis. Es hat eine Fläche von fast 50.000 Quadratkilometern.

grafik: apa/afp/swansea university/adrian luckman
Im Verlauf des Juni spitzte sich die Lage zu.

Wissenschafter befürchten, dass sich mit dem Abbruch des Eisbergs die neu entstandene Eiskante durch permanentes Abbröseln weiter zurückzieht und das Schelfeis schließlich in absehbarer Zeit komplett zerfällt. Diesen Prozess haben Forscher schon mehrfach beobachtet: In den letzten 20 Jahren sind sieben Schelfeise an der Antarktischen Halbinsel zerfallen oder stark zurückgegangen. In der Folge können die Eisströme der Gletscher ungebremst ins Wasser fließen, was letztlich zur Erhöhung des Meeresspiegels führt.

Ob sich auch das Larsen-C-Schelfeis zurückziehen wird, wissen die Forscher nicht. "Das ist ein komplexes System, und wir arbeiten daran, es zu entschlüsseln", sagt Daniela Jansen. Zwar weiß niemand, ob der Klimawandel die Entstehung von "A68" gefördert hat. Aber zum weiteren Zerfallen des Larsen-C-Schelfeises könnte er durchaus beitragen.

Giganten der jüngeren Vergangenheit

Abbrüche dieses Ausmaßes sind zwar kein alltägliches Ereignis, kommen aber immer wieder vor. Der größte durch Satellitenerkundung erfasste Koloss löste sich im März 2000 vom antarktischen Ross-Schelfeis. B15 war ursprünglich 11.600 Quadratkilometer groß. Von ihm brach später der Eisberg B15A ab, der 2005 immer noch mehr als 2.500 Quadratkilometer maß.

Ein anderer Gigant löste sich 2002 ebenfalls vom Ross-Schelfeis: Der C19 getaufte Eisberg war mehr als 6.000 Quadratkilometer groß. Im selben Jahr brach vom Thwaites-Gletscher in der Westantarktis ein riesiger Eisberg ab: B22 bedeckte eine Fläche von etwa 5.500 Quadratkilometern.

Und Anfang 2010 löste sich vom Mertz-Gletscher im australischen Antarktis-Gebiet der Eisberg C28 mit einer Fläche von mehr als 2.500 Quadratkilometern. Zuvor war ein anderer Eisriese – ein Bruchstück des 1987 entstandenen, damals etwa 5.400 Quadratkilometer großen B9 – gegen die dortige Gletscherzunge gekracht. (APA, red, 12.7.2017)

  • "Ein Viertel der Größe von Wales", "zweimal so groß wie Gotland", "um ein Drittel größer als das Burgenland", "so groß wie Delaware", "fast siebenmal so groß wie Berlin": Je nach Land geistern derzeit die verschiedensten Größenvergleiche mit dem Eisberg durch die Medien.
    grafik: apa/afp/swansea university/adrian luckman

    "Ein Viertel der Größe von Wales", "zweimal so groß wie Gotland", "um ein Drittel größer als das Burgenland", "so groß wie Delaware", "fast siebenmal so groß wie Berlin": Je nach Land geistern derzeit die verschiedensten Größenvergleiche mit dem Eisberg durch die Medien.

  • Risse im Eis waren schon seit Monaten zu erkennen.
    foto: ap

    Risse im Eis waren schon seit Monaten zu erkennen.

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