Niederösterreichischer Verlag im Förderparadies

12. Juli 2017, 09:00
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Der Sitz eines mit Steuergeldern geförderten Verlags ist ident mit der Wohnadresse der Mutter des Verlegers, einer ÖVP-Nationalratsmandatarin

Wien – Die Förderungen in Niederösterreich hat der Landesrechnungshof jüngst in der Luft zerrissen – neben der Dr.-Erwin-Pröll-Privatstiftung nahm er auch andere Einrichtungen unter die Lupe: so auch, wie berichtet, die Fördervergabe an den kleinen Waldviertler Steinverlag, der seinen Sitz in Bad Traunstein hat.

Ein Förderfall, der eines näheren Blickes würdig ist. Laut Rechnungshofbericht bekam die Steinverlag GmbH, die Peter Fichtinger gehört, von 2008 bis 2016 insgesamt 44.000 Euro für vier Buchproduktionen. Bei einem Buch finanzierte die öffentliche Hand 86 Prozent der Produktionskosten.

Gute Kontakte nach oben

Der Sitz des mit Steuergeldern geförderten Verlags ist ident mit der Wohnadresse der seit 2005 tätigen Bürgermeisterin Bad Traunsteins, Angela Fichtinger. Die vormalige Mitarbeiterin der ÖVP Niederösterreich hat zudem seit 2013 einen Sitz im Nationalrat (ÖVP) und gute Chancen, auch nach der nächsten Wahl wieder ins Parlament einzuziehen. Nachgesagt werden der 60-Jährigen beste Kontakte zu (ehemaligen) niederösterreichischen Regierungsmitgliedern, in Land wie Bund. Privat ist Angela Fichtinger die Mutter des Verlegers.

Dass zwischen der Rolle der ÖVP-Mandatarin, die in zahlreichen regionalen Vereinen aktiv ist, und den vom Rechnungshof NÖ kritisierten Förderungen ein Konnex bestehen könnte, weist Verleger Fichtinger zurück. "Das steht in keinem Zusammenhang, so etwas habe ich mit 43 Jahren nicht nötig. Der Firmensitz meines Verlags entspricht der Adresse meines Elternhauses, ich bin hier daheim." Wobei Fichtinger, der in Wien auch eine Werbeagentur betreibt, schon einräumt, dass ihn "die komische Optik" beschäftige.

Und wie erklärt der Werber und Verleger die Kritikpunkte des Landesrechnungshofs? Was mangelnde Abrechnungen betrifft, könne es schon sein, dass ihm "da Fehler unterlaufen sind", schließlich lege man die Abrechnungen an die Förderstellen "erst ein Jahr nach Beendigung der Buchprojekte".

Aufgestockt ohne Antrag

Und warum hat die Finanzabteilung des Landes 2016 die Förderung für das Buch KünstlerInnen im Weinviertel um 5000 Euro aufgestockt, ohne dass der Verleger einen Aufstockungsantrag gestellt hat? Fichtinger dazu: Er habe in der Kulturabteilung des Landes telefonisch angefragt, "ob es noch eine Möglichkeit gibt, dass die Förderung höher wird". Zum Teil habe er wahrscheinlich "etwas naiv kalkuliert", erklärt er die Kostenüberschreitung bei diesem Buchprojekt.

Dass "der Verlag die Förderung der Abteilung Kultur von November 2015 trotz zweimaliger Mahnung im April 2017 noch nicht abgerechnet hat" (Prüfbericht) führt Fichtinger auf "meinen Schlendrian" zurück. Das sei nun aber erledigt, auch anderen Mahnungen zur Abrechnung sei er inzwischen nachgekommen. Mag sein, dass sein Erstaunen über seine Erwähnung im Landesrechnungshofbericht ("Ich bin aus allen Wolken gefallen") dabei eine Rolle gespielt hat.

Negativ aufgefallen ist den Kontrolloren übrigens auch, dass in den Buchprojektkosten "Leistungen der Werbeagentur des Alleingesellschafters der Förderungsnehmerin" enthalten seien. "Ich weiß", sagt der Verleger, "das schaut blöd aus". Und liege daran, "dass in meiner Wiener Agentur angestelltes Personal an Buchprojekten mitarbeitet."

Ob er denke, dass sein Steinverlag weiter gefördert wird? Das wisse er nicht, meint Fichtinger und fragt sich: "Ob ich in Sankt Pölten noch empfangen werde?" (Renate Graber, 12.7.2017)

  • Sankt Pölten (hier das Landhaus) förderte per Gießkanne.
    foto: heribert corn

    Sankt Pölten (hier das Landhaus) förderte per Gießkanne.

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