Neue Welterbestätten: Von Buchenwäldern bis zur Moderne in Eritrea

11. Juli 2017, 14:27
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Als Wien auf die Rote Liste wanderte, freuten sich andere Stätten über die Verleihung des Titels. Der Welterbestatus für Hebron sorgt für Kritik

Krakau/Wien – Bei jener Sitzung in Krakau, bei der das Unesco-Komitee die Wiener Innenstadt vergangene Woche wegen des 66 Meter hohen Turms auf dem Heumarkt auf die Rote Liste gesetzt hat, haben andere Stätten den Welterbestatus verliehen bekommen. Eine Auswahl der Entscheidungen:

Österreichische Wälder wurden zum Weltnaturerbe erhoben, genau genommen der Urwald Rothwald in Niederösterreich und Teile der Nationalparks Kalkalpen in Oberösterreich. Mit anderen Wäldern Europas bilden sie das Unesco-Weltnaturerbe "Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas". Mit der Entscheidung wurden erstmals Schutzgebiete aus Österreich in die Liste der Weltnaturerbestätten aufgenommen, auf der sich etwa der Yellowstone-Nationalpark, die Galapagos-Inseln und die Südtiroler Dolomiten befinden. Umweltminister Andrä Rupprechter und der niederösterreichische Umweltlandesrat Stephan Pernkopf (beide ÖVP) reagierten mit großer Freude auf die Entscheidung.

Scharfe Kritik aus den USA kam hingegen wegen der Aufnahme der Altstadt von Hebron in die Welterbeliste. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, teilte mit, dass die USA nun ihre Beziehungen zur Unesco überprüfen würden. Haley unterstützte mit ihren Äußerungen die israelische Regierung, die auf den Hebron-Beschluss mit "Eine weitere wahnsinnige Entscheidung der Unesco" kommentiert hatte. Israel kündigte an, die Zahlungen an die Uno weiter um eine Million Dollar (880.000 Euro) zu senken. Die Palästinenser feierten die Entscheidung hingegen als diplomatischen Erfolg.

In Hebron leben mehr als 200.000 Palästinenser und einige hundert jüdische Siedler. Dort befindet sich auch das Grabmal der Patriarchen, in dem nach biblischer Überlieferung unter anderen Abraham und Isaak begraben sind. Dazu gehört die Abrahamsmoschee.

Die Unesco hat auch den britischen Nationalpark Lake District zum Welterbe erklärt – allerdings nicht zum Natur-, sondern zum Kulturerbe. Laut Welterbekomitee ist der Nationalpark im Nordwesten Englands nicht bloß ein Anziehungspunkt für Touristen, sondern auch eine Inspiration für Künstler. Als Beispiele nannte die Unesco die Schriftsteller William Wordsworth, John Ruskin und Beatrix Potter, die sich rund um die Seen und Berge inspirieren ließen. Die Gegend gilt als Wiege der britischen Romantik.

Erstmals Welterbe in Angola und Eritrea

Erstmals hat die Unesco auch Stätten in Angola und Eritrea zum Welterbe erklärt. Die Experten verliehen der alten angolanischen Stadt M'banza Kongo und der modernistischen Stadt Asmara in Eritrea den Titel. M'banza Kongo veranschauliche wie sonst nirgendwo in Subsahara-Afrika die tiefgreifenden Veränderungen nach der Einführung des Christentums und der Ankunft der Portugiesen im 17. Jahrhundert, hieß es in der Begründung. Asmara erklärte die Unesco zu einem außergewöhnlichen Zeugnis des Städtebaus zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Unesco hat zudem in Deutschland das "Welterbe Bauhaus", das bisher Ensembles und Denkmäler in Weimar und Dessau umfasste, um die Laubenganghäuser in Dessau-Roßlau und die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau erweitert. Die Architektur der neu aufgenommenen Stätten stammt von Hannes Meyer, der das Dessauer Bauhaus von 1928 bis 1930 leitete.

Weiters wurden die Höhlen der ältesten Eiszeitkunst in Baden-Württemberg zum Weltkulturerbe ernannt. Dem Komitee zufolge zeugen die sechs Höhlen auf der Schwäbischen Alb von einer der frühesten figurativen Kunst weltweit und liefern wichtige Erkenntnisse über die Entwicklung der Kunst. Die Höhlen rund um Blaubeuren sind auch ein wichtiges Ausgrabungsgebiet für Archäologen. Unter anderem fanden Forscher dort die 40.000 Jahre alte "Venus vom Hohle Fels". Seit den 1860er-Jahren gibt es in den Höhlen Ausgrabungen, sie brachten zahlreiche bis zu 43.000 Jahre alte figürliche Darstellungen zutage, darunter Mammuts, Höhlenlöwen, Pferde und Musikinstrumente, aber auch Frauenkörper und Darstellungen von Mischwesen aus Mensch und Tier. (red, 11.7.2017)

  • Laut Welterbekomitee ist der Lake District, der Nationalpark im Nordwesten Englands, nicht bloß ein Anziehungspunkt für Touristen, sondern auch eine Inspiration für Künstler.
    foto: afp photo / oli scarff

    Laut Welterbekomitee ist der Lake District, der Nationalpark im Nordwesten Englands, nicht bloß ein Anziehungspunkt für Touristen, sondern auch eine Inspiration für Künstler.

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