Überreste von 5.000 Jahre alten "Riesen" in China entdeckt

    11. Juli 2017, 11:45
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    Einige der neolithischen Skelette weisen auf Körpergrößen von über 1,8 Metern hin. Die gute Ernährung könnte dabei eine Rolle gespielt haben

    foto: shandong university
    Für neolithische Verhältnisse geradezu riesig: Archäologen fanden fast zwei Meter große Individuen in 5.000 Jahre alten Gräbern.

    Peking – Archäologen haben bei Ausgrabungen in der Provinz Shandong im Südosten Chinas eine außergewöhnliche Entdeckung gemacht: Die Wissenschafter um Fang Hui von der Universität Shandong fanden in rund 5.000 Jahre alten Gräbern die Gebeine von Menschen, die unter den gegebenen Umständen wohl als regelrechte Riesen gelten könnten. Einer der Toten dürfte demnach zu Lebzeiten gar 1,9 Meter groß gewesen sein. Weitere Skelette weisen darauf hin, dass zumindest ein Teil der damaligen Bevölkerung rund 1,8 Meter groß war.

    Für das Neolithikum sind das laut Fang unerwartet große Menschen gewesen. In jedem Fall überragten sie die modernen Chinesen um ein gutes Stück: Laut aktuellen Statistiken liegt die durchschnittliche Körpergröße in China derzeit bei 1,72 Metern. Wie groß die Menschen vor 5.000 Jahren im Normalfall wurden, lässt sich zwar für die betreffende Region nicht beziffern, in Europa allerdings lag die Durchschnittsgröße laut bisherigen Erkenntnissen in dieser Zeit bei 1,65 Metern.

    foto: shandong university
    Die ungewöhnliche Körpergröße der freigelegten Individuen dürfte unter anderem auf deren hohen sozialen Status und ihre gute Ernährung zurückzuführen sein.

    Reichhaltiger Speisezettel

    Die bemerkenswerten Funde gelangen den Forschern, als sie im Vorjahr im Dorf Jiaojia im Zhangqiu-Distrikt 205 Gräber, 20 Opferungsgruben und 104 Häuser der Longshan-Kultur freilegten. Warum zahlreiche Individuen eine so unerwartete Körpergröße erreichten, lässt die Wissenschafter rätseln. Sie vermuten allerdings, dass die reichhaltige Ernährungssituation eine gewisse Rolle gespielt haben dürfte.

    "Die Menschen besaßen damals umfangreiche landwirtschaftliche Kenntnisse, die Bevölkerung hatte Zugang zu einem differenzierten Nahrungsangebot", so Fang. Außerdem könnte der soziale Status eine Rolle gespielt haben: Die größten Menschen wurden in üppigen Grabanlagen gefunden, die auf einen hohen Rang der dort beigesetzten Personen hindeuten. Und Individuen an der gesellschaftlichen Spitze hatten üblicherweise auch Zugang zu besseren Nahrungsmitteln.

    foto: shandong university
    Auch die Unterkünfte der damaligen Menschen lassen vermuten, dass es ihnen gut ging: Viele der Häuser hatten vom Kochbereich getrennte Schlafräume.

    Luxuriöse Unterkünfte

    Auch die freigelegten Häuser weisen auf eine florierende Gesellschaft hin. In vielen der Gebäude waren die Schlafräume von den Kochbereichen getrennt – für das Neolithikum bedeutet das luxuriöse Umstände. Alles in allem lassen die bisherigen Funde darauf schließen, dass die damaligen Bewohner der Gegend nur wenig Grund zur Klage gehabt haben dürften, meint Fang.

    Bisher haben die Archäologen erst 2.000 Quadratmeter der Grabungsfläche freigelegt, ein Bruchteil der mehrere Quadratkilometer großen Fundstelle. Die Wissenschafter gehen davon aus, dass weitere Untersuchungen dabei helfen werden, das Rätsel um die ausgefallene Körpergröße der Menschen von Jiaojia zu lösen. (tberg, 11.7.2017)

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