Musikuni Mozarteum: Gewählter Rektor tritt Amt nicht an

    10. Juli 2017, 20:50
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    Der Unirat der Salzburger Musikuni hat das Team des gewählten Rektors abgelehnt. Dieser bleibt nun in Deutschland und spricht von einem "starken Stück"

    Wien – Nächster Flop bei der Bestellung eines neuen Rektors für die Salzburger Musikuniversität Mozarteum. Am Montag hat der designierte Rektor, der Deutsche Reiner Schuhenn, bekannt gegeben, dass er das Amt nicht antreten werde. Damit ist der dritte Versuch, einen Rektor für die Universität Mozarteum Salzburg zu etablieren, gescheitert.

    Der 55-Jährige, ehemaliger Rektor der Hochschule für Musik und Tanz Köln, hat am Montag den zuständigen Bundesminister und den Universitätsrat über seinen Rücktritt "mit sofortiger Wirkung" erklärt – er hat sein Wunschteam für die Führung des Hauses nicht durchbekommen, der Universitätsrat hat dem Vorschlag für sein Team nicht zugestimmt.

    Fürs Mozarteum kam der Rücktritt vor dem Antritt völlig überraschend. Der Universitätsrat werde "baldmöglichst zusammenkommen, um über den Inhalt einer Neuausschreibung zu beraten", teilte die Universität am Montagnachmittag per Aussendung mit. Die Amtsgeschäfte werden nun interimistisch von der Vizerektorin für Außenbeziehungen, Sarah Wedl-Wilson, und dem Vizerektor für Lehre, Mario Kostal, geführt. Sie haben die Kunstuniversität bereits seit Jahresbeginn geleitet.

    "Misstrauen ausgesprochen"

    Der Grund für Schuhenns Entscheidung: Er hat zwei renommierte Professorinnen am Mozarteum als Vizerektorinnen vorgeschlagen, die der Unirat aber abgelehnt hat. Diese Absage sei "ohne Begründung" erfolgt, erzählt Schuhenn dem STANDARD auf Anfrage – und zwar obwohl der Universitätssenat seine, Schuhenns, Entscheidung zuvor mitgetragen habe. "Mit dieser Ablehnung wurde mir als neu gewähltem Rektor das Misstrauen ausgesprochen, und damit hat sich der Universitätsrat nicht nur gegen den neuen Rektor, sondern auch gegen die gesamte Universität gewendet", sagt Schuhenn.

    Der Aufforderung des vom Salzburger Rechtsanwalt Karl-Ludwig Vavrovsky geführten Unirats, unverzüglich einen neuen Vorschlag für das Vizerektorat zu machen, habe er abgelehnt. "Das tue ich nicht, denn auch das nächste Team, das ich vorschlage, würde wieder das Risiko eingehen, vom Universitätsrat ohne Begründung abgelehnt zu werden." So einem "Manöver des Universitätsrats" werde er niemanden aussetzen.

    "Ein starkes Stück"

    Er selbst habe abgesagt, "weil am Vorgehen des Unirats und am Ergebnis zu sehen ist, dass es eine Schieflage im Haus gibt, die keine vertrauensbildende Arbeit ermöglichen wird". Wörtlich sprach Schuhenn von "einem starken Stück". Man habe ihn gewählt, aber dann "das Arbeitsinstrument" weggenommen, was er bedaure. Die von ihm vorgeschlagenen Professorinnen seien "renommiert und bestens geeignet" gewesen, die Ablehnung des Unirats ließe die beiden desavouiert zurück. Er selbst sei "vom Haus, den Professoren und Studierenden, geradezu großartig" aufgenommen worden.

    Wie es nun weitergeht? Auch das ist nicht ganz klar. Schuhenn (er bleibt nun bei seinem alten Job in Deutschland) hat seinen Vertrag in Salzburg noch nicht unterschrieben. Daher ist es umstritten, ob man die Ausschreibung wiederholen muss oder mit den beiden anderen Kandidatinnen weiterredet, die es auf die Vorschlagsliste für den Rektorsjob geschafft hatten. So die beiden (Elisabeth Gutjahr, Professorin für Rhythmik an der Hochschule für Musik im deutschen Trossingen, und Musikwissenschafterin Regula Rapp) den Job noch wollen.

    Pannenserie

    Die Wahl des deutschen Dirigenten und Musikers zum Mozarteum-Rektor war der dritte Versuch der Universitätsgremien, die Uni unter eine neue Leitung zu stellen.

    2016 wurde das Arbeitsverhältnis von Siegfried Mauser gelöst, er war zuvor in Deutschland wegen sexueller Nötigung einer Professorin verurteilt worden. Dann versuchte es der Unirat Ende 2016 unter seiner Vorsitzenden Viktoria Kickinger noch einmal – allerdings musste das pannenreiche Verfahren noch einmal an den Start. Kickinger trat als Uniratsvorsitzende zurück, ihr folgte Vavrovsky. Er sagte am Montagabend zur APA, man müsse aus rechtlicher Sicht "zurück an den Start", er rechne mit einer Neuwahl im Herbst. (Renate Graber, 10.7.2017)

    • Kakophone Töne beherrschen den Versuch, einen neuen Rektor für die Musikuni zu finden: Der designierte ist schon wieder Geschichte.
      foto: apa/gindl

      Kakophone Töne beherrschen den Versuch, einen neuen Rektor für die Musikuni zu finden: Der designierte ist schon wieder Geschichte.

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