Familien in der Literatur: Heile Welt oder abschreckende Dramen?

    User-Diskussion20. Juli 2017, 11:00
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    Der Familie entkommt man nicht – weder im echten Leben noch in der Literatur. Welche literarische Familie hat Sie am nachhaltigsten beeindruckt?

    "Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich."

    So beginnt der Roman "Anna Karenina". Und die Familie der titelgebenden Protagonistin ist nach Ehebruch, dem Kampf um das Sorgerecht für den Sohn und wilder Ehe mit ihrem Geliebten wahrlich zerrüttet. Doch im Vergleich zu anderen literarischen Familien geht es bei den Karenins noch recht zivilisiert zu. Manche Familien scheinen direkt aus den dunkelsten Fantasien der Autoren zu kommen, andere wiederum lassen einen von einem einfacheren Leben träumen, wenn es in der eigenen Familie nicht rundläuft.

    Wenige Familien sind so kaputt, wie es im düsteren Familienporträt von Anna Mitgutsch "Die Züchtigung" dargestellt wird. Die Lieblosigkeit und Gewalt wird in dieser Familie von Generation zu Generation weitergegeben. Den Niedergang einer Familie kann man in Thomas Manns Klassiker "Die Buddenbrooks" mitverfolgen. Lebenskraft, Geschäftssinn und Selbstsicherheit schwinden mit den Jahren dahin, am Ende steht der psychisch kranke Nachkomme Christian. Und auch die Lannisters aus "Ein Lied von Eis und Feuer" werden nicht als glückliche Familie in die Literaturgeschichte eingehen. Inzest, Vatermord, eindeutige Bevorzugungen – dagegen wirkt die eigene Familie plötzlich gar nicht mehr so verrückt.

    Gute Eltern und Wahlverwandschaften

    Und es gibt auch noch die anderen, die es um einiges besser erwischt haben. Atticus Finch, alleinerziehender Vater aus "Wer die Nachtigall stört", gibt in jeder Hinsicht ein Vorbild ab. Einerseits als warmherziges Familienoberhaupt, andererseits als Mann, der Prinzipien vertritt und diese auch an seine Kinder weitergibt. Und auch Mr. Bennet und seine Tochter Elizabeth in Jane Austens "Stolz und Vorurteil" haben eine Beziehung, die von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägt ist. In Nick Hornbys "About a Boy" versucht ein Bub, seine – allzu kleine und fragile – Familie zu erweitern. Und gibt damit dem Leser einen wertvollen Hinweis mit: Familie kann man sich nicht aussuchen, Freunde aber schon.

    Ihre literarischen Familien-Highlights?

    Welche Familie lässt Ihre eigene besser aussehen? Bei welcher Familie wären Sie gerne ein Teil derselben? Welche literarische Familie begleitet Sie schon lange? (Anya Antonius, 20.7.2017)

    • Was war Ihr Eindruck von der Familie Buddenbrook?
      foto: foto h.-p.haack, quelle: «erstausgaben thomas manns», cc by 3.0, commons.wikimedia.org

      Was war Ihr Eindruck von der Familie Buddenbrook?

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