Befreiung von Mossul: Kämpfen, um zu sterben

Kommentar10. Juli 2017, 16:58
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Nicht vergessen sollte man, dass der IS nicht verschwunden ist und dass auch von seinen Anhängern in nichtislamischen Ländern weiter Gefahr ausgeht

Nach Jubelmeldungen über die Befreiung Mossuls am Sonntag wurde auch am Montag weiter um mehrere Häuserblöcke gekämpft. Das liegt nicht nur daran, dass die irakische Regierung zur Voreiligkeit neigt, wenn es darum geht, Siege zu verkünden, sondern auch am schwierigen Gelände im schwer zerstörten Westteil der Stadt. Die Stille ist oft trügerisch, erst beim langsamen Durchkämmen der Ruinen stoßen die irakischen Truppen auf die letzten verbliebenen Kämpfer des "Islamischen Staats". Diese leisten erbitterten Widerstand – um im Kampf zu sterben, wie sie selbst sagen, wobei man nie weiß, ob sie nicht auch noch Zivilisten in ihrer Hand haben.

Das alles ändert nichts daran, dass der IS in Mossul besiegt ist. Auch die verbliebenen kleineren Gebiete unter IS-Kontrolle in Tal Afar westlich von Mossul, Hawija südwestlich von Kirkuk und ein paar Flecken in der Provinz Anbar werden rückerobert werden. Dass der IS damit nicht verschwunden ist und dass auch von seinen Anhängern in nichtislamischen Ländern weiter Gefahr ausgeht, ist zwar eine Binsenweisheit – die man aber besser nicht vergisst.

Auf den Irak kommen große Aufgaben zu: Zwar ist, anders als die meist gezeigten Bilder vermuten lassen, nicht ganz Mossul zerstört – aber laut Uno werden hunderttausende Flüchtlinge trotzdem erst einmal nicht heimkehren können. Aber Städte kann man wieder aufbauen. Bei einer zerstörten Gesellschaft ist das schon schwieriger. (Gudrun Harrer, 10.7.2017)

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