Ostösterreichisches Grundwasser oft mit Nitrat belastet

10. Juli 2017, 15:05
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Grenzwertüberschreitungen aber laut Umweltministerium rund dreimal niedriger als in Deutschland – Wird durch Einsatz von Dünger und Niederschlagsmengen beeinflusst

Wien/Berlin – Das deutsche Umweltbundesamt (UBA) hat vor einem Monat wegen der hohen Nitratbelastung vor steigenden Preisen für Trinkwasser in Deutschland gewarnt. In Österreich ist vor allem der Osten von Überschreitungen der Grenzwerte betroffen, berichtete das Ö1-"Morgenjournal" am Montag. Laut dem Umweltministerium ist die Problematik hierzulande jedoch bei weitem geringer.

Denn während laut UBA in Deutschland bei mehr als 27 Prozent der Grundwasservorkommen der per EU-Richtlinie festgesetzte Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter überstiegen wird, sind es in Österreich zehn Prozent, sagt Robert Fenz, der im Umweltministerium die Abteilung für nationale und internationale Wasserwirtschaft leitet. Die Stickstoffverbindungen, die auch natürlich im Boden vorkommen, sind Bestandteil von Düngemitteln und Gülle und gelangen auf diese Weise zusätzlich in das Erdreich.

Zeitpunkt der Düngung zentral

Während die EU Deutschland im November 2016 wegen der hohen Werte im Zuge eines Vertragsverletzungsverfahrens geklagt hat, war das in Österreich noch nie der Fall, so Fenz. Es ist auch bereits ein neuer Entwurf der Nitratrichtlinie in Begutachtung. Diese wird alle vier Jahre überprüft, um die Maßnahmen gegen zu hohe Nitratwerte zu verbessern. "Etwa geht es um den Zeitpunkt des Düngens, die mengenmäßige Reduzierung an den Bedarf der Pflanzen." Betriebe in den östlichen Problemregionen brauchen für ihre Gülle künftig eine Lagerraumkapazität von zehn statt sechs Monaten.

Die Frage, ob Dünger oder Gülle, stellt sich für den Experten nicht: "Es ist sinnvoll, wenn man eine Viehwirtschaft hat, die Gülle der Tiere gleich für die Düngung heranzuziehen, da die Herstellung stickstoffhaltiger Dünger mit einem enormen Energieeinsatz verbunden ist." Auch wenn die Handhabe beim Mineraldünger leichter sei, sei Gülle wegen der Umweltbilanz zu bevorzugen.

Geringere Niederschlagsmenge als Problem

Wichtig ist der Zeitpunkt des Gülleeinsatzes, darum soll jetzt der Lagerraum erhöht werden: "Im Herbst, ab dem 15. Oktober, ist die Ausbringung etwa nicht mehr erlaubt. Wenn jemand nun zu 100 Prozent Mais anbaut, etwa in der Südoststeiermark, der kann nur im April und Mai düngen – daher der Handlungsbedarf", erläuterte Fenz die spezifischen Probleme der Schweine-Mais-Kombibetriebe, die auch in Teilen Oberösterreichs zu finden sind.

Je weiter es gegen Osten geht, desto mehr wird in Österreich nicht die Düngung, sondern die dortige geringere Niederschlagsmenge zum Problem, weil das Nitrat dann länger im Boden gespeichert bleibt.

Keine Grenzüberschreitungen in Westösterreich

Die UBA warnte für Deutschland, dass Wasserversorger wegen des Nitrats teure Aufbereitungsmethoden einsetzen müssten, was für eine vierköpfige Familie Mehrkosten von rund 130 Euro im Jahr bedeuten würde. "Nitrataufbereitungsanlagen gibt es bei uns kaum, da sich die Wasserversorger mit überregionalen Leitungen behelfen, indem man Wasser aus Gegenden, die nicht belastet sind, in belastete leitet", sagt Fenz. Würden Maßnahmen notwendig, würde die Kostensteigerung in einem überschaubaren Rahmen bleiben, ist Fenz überzeugt. Das betreffe auch nitratbelastete Regionen wie das nördliche Burgenland und das Marchfeld.

Österreich sei insgesamt von den Niederschlägen her in einer glücklicheren Lage, zu der auch die Infrastruktur ihren Beitrag leistet, so Fenz. So gibt es in ganz Westösterreich keine Grenzwertüberschreitungen. (APA, 10.7.2017)

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