Welche Arten die Tropenwaldzerstörung überleben könnten

14. Juli 2017, 12:03
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Manche Froschspezies könnten von den Umweltveränderungen profitieren

Berlin – Die meisten Studien erheben, welche Arten unter den rasanten Umweltveränderungen besonders zu leiden haben. Wirklich relevant für die Natur sind allerdings nicht allein jene Spezies, die verschwinden werden. Wichtig und vielleicht sogar von größerer Bedeutung sind Lebewesen, die als Gewinner hervorgehen, denn sie werden die Zusammensetzung zukünftiger Ökosysteme bestimmen.

Daher haben Biologen um Mareike Hirschfeld und Mark-Oliver Rödel aus dem Museum für Naturkunde Berlin die Gründe für das erfolgreiche Überleben von Arten in gestörten Regenwäldern genauer unter die Lupe genommen. Hierzu untersuchten sie die Vorkommen von Froscharten in unberührten und anthropogen veränderten Wäldern sowie deren Eigenschaften, um die Arten, die die Regenwälder in einer vom Menschen dominierten Welt dominieren werden, zu identifizieren.

Divers und gefährdet

Tropische Regenwälder sind die diversesten terrestrischen Ökosysteme der Erde und beherbergen Millionen von verschiedenen Pflanzen- und Tierarten. Gleichzeitig sind diese Regionen die am stärksten gefährdeten Lebensräume überhaupt. Sie haben den höchsten Prozentsatz an endemischen Arten und viele von ihnen sind daher als Biodiversitäts-Hotspots aufgeführt.

Unberührte tropische Wälder nehmen mit dramatischer Geschwindigkeit ab und oft bleiben nur noch Mosaike von kleinen Fragmenten, die in landwirtschaftlichen Gebieten und menschlichen Siedlungen eingebettet sind. Diese Umwandlung von unberührten Waldlebensräumen ist ein weltweites Phänomen und ein wichtiger Grund für die aktuelle Biodiversitätskrise. Viele Arten haben in den letzten Jahrzehnten enorm in ihrer Häufigkeit abgenommen oder sind sogar ausgestorben. Allerdings sind nicht alle Arten rückläufig, einige überleben erfolgreich, andere nehmen in diesen stark gestörten Lebensräumen sogar in Abundanz zu.

Empfindliche Amphibien

Aufgrund ihrer semipermeablen Haut und ihres meist zweiphasigen Lebenszyklus mit aquatischen Kaulquappen und terrestrischen Adulten werden die Amphibien besonders durch die sie umgebende Umwelt beeinflusst. So machen der Verlust und die Veränderung ihrer natürlichen Lebensräume, aber auch der zunehmende Klimawandel sie besonders anfällig. Amphibien sind aktuell die am stärksten bedrohte Wirbeltierklasse, aber nicht alle Arten verschwinden in menschlich veränderten Landschaften. Warum reagieren verschiedene Arten auf Umweltveränderungen so unterschiedlich?

Um diese Frage zu beantworten, testeten Hirschfeld und Rödel, ob Lebenslauf-Merkmale, ökologische Merkmale oder die Größe ihres Verbreitungsgebiets die Überlebenswahrscheinlichkeit einer Art in gestörten Gebieten beeinflusst. Durch die Kombination verschiedener statistischer Ansätze zeigten sie, dass Arten mit einer direkten Entwicklung (Arten mit Kaulquappen), solche mit einem großen Verbreitungsgebiet, solche die unabhängig von Flüssen und in der Laubstreu leben am besten Veränderungen ihrer natürlichen Habitate tolerieren.

Populationsprognosen

Arten, die diese Eigenschaften teilen, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit in den gestörten tropischen Waldsystemen bestehen bleiben. So lassen sich zukünftige Froschgemeinschaften vorhersagen und damit die Arten mit einer zunehmenden Wirkung auf die Ökosysteme in der vom Menschen dominierten Welt zu identifizieren. (red, 14.7.2017)

  • Nicht alle Froscharten fallen der zunehmenden Regenwaldfragmentierung zum Opfer.  Einige Spezies könnten die Umweltveränderungen überstehen.
    foto: reuters/carlos jasso

    Nicht alle Froscharten fallen der zunehmenden Regenwaldfragmentierung zum Opfer. Einige Spezies könnten die Umweltveränderungen überstehen.

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