So werden Sie in fünf Minuten zum Kapitalisten

    Blog13. Juli 2017, 06:00
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    Sich online Aktien zu kaufen ist keine Hexerei. Auf ein paar Dinge sollte man aber trotzdem aufpassen. Eine Übersicht

    Es war noch nie so einfach wie heute, Kapitalist zu werden. Wer Aktien kaufen möchte, kann das mit ein paar Klicks erledigen. Dazu braucht es kein Millionenvermögen. Es reichen schon ein paar hundert Euro, die man für einige Zeit nicht braucht. Ich habe genau das getan. Wie das günstig ohne Bank geht und worauf Sie dabei achtgeben müssen – darüber schreibe ich in diesem Beitrag.

    Das ist der fünfte Teil der Serie "Katsching", in der ich Ihnen Schritt für Schritt – unterstützt vom Rat unabhängiger Fachleute – erkläre, wie ich zunächst 5.000 Euro anlege. Dieser Artikel ist sehr technisch. Wenn Sie sich für Geldanlage interessieren und das erste Mal da sind: Fangen Sie am besten mit dem ersten Teil an, in dem ich mich und mein Vorhaben vorstelle.

    Wenn Sie sich entscheiden, ähnlich wie ich zu handeln, erst dann ist dieser Beitrag für Sie relevant.

    Andreas Sator hält Sie über sein Projekt auf dem Laufenden. Er meldet sich mit neuen Beiträgen und anderen Tipps.

    Bevor Sie sich ein Wertpapier kaufen, müssen Sie sich gründlich darüber informieren. Das habe ich getan. Ich habe lange überlegt und mir dann vergangene Woche einen ETF gekauft. Wenn Sie nicht wissen, was das ist, Sie das Thema aber interessiert: Ich habe das alles im dritten Beitrag für Laien aufbereitet. Entschieden habe ich mich für ein Papier der Deutsche Asset Management, das den MSCI ACWI nachbildet. MSCI ist ein Finanzdienstleister aus den USA, ACWI steht für All Country World Index.

    Warum? Erstens wollte ich auf die positive Entwicklung der Weltwirtschaft wetten. Der MSCI ACWI ermöglicht das. Er gibt wieder, wie sich die Aktien der 2.400 größten börsennotierten Firmen aus reichen und ärmeren Ländern entwickeln. Zweitens ist das Papier der Deutschen Bank, das ich online gekauft habe, ziemlich günstig. Jedes Jahr fällt ein halbes Prozent an Gebühren an. Für einen normalen Fonds ist mindestens das Dreifache fällig.

    foto: ap / bruns
    Wer sich Fonds bei Banken kauft, zahlt schnell ein paar hundert Euro.

    Banken verlangen für sie aber nicht nur höhere jährliche Gebühren. Am Anfang muss man auch ein paar Prozent Ausgabeaufschlag hergeben. Von meinen 5.000 Euro wären also gleich einmal 200 Euro weg gewesen. Das ist bei einem ETF nicht so. Wer sich über verschiedene ETFs informieren möchte: Die Seite justetf.com hat mir dabei sehr geholfen. So kann man etwa alle Wertpapiere vergleichen, die den MSCI ACWI abbilden.

    Ein zweiter Tipp: fondsprofessionell.at. Dort findet man viele Detailinfos. Dazu braucht es nicht mehr als die ISIN, also die Kennungsnummer des Papiers (für meinen ETF: IE00BGHQ0G80). So findet man schnell die wichtigsten Entwicklungen der vergangenen Monate oder kann sich über die Zusammensetzung des Fonds informieren.

    foto: epa / czerwinski
    Hinter synthetischen ETFs steckt Finanz-Hokuspokus: Finger weg.

    Was Sie lieber nicht kaufen sollten, sind synthetische ETFs. Diesen Ratschlag hat mir Hans-Peter Burghof von der Uni Hohenheim gegeben. Ich kaufe mir einen physischen ETF. Das heißt, dass der Anbieter des Papiers die Aktien auch wirklich kauft. Ich halte sie also nicht selbst, aber die Deutsche Bank für mich. Bei einem synthetischen Papier hält der Anbieter die Aktien nicht wirklich, sondern verkauft mir nur den Kurs. Dahinter stecken dann Derivate, also komplizierte Finanzkonstrukte. "Ich traue dem nicht", sagt Burghof. "Es kann alles gutgehen, aber ich habe den Verdacht, dass ein nichtentdecktes Risiko dahintersteht."

    Was passiert mit meinen Aktien, wenn die Deutsche Bank pleitegeht? Burghof hat es mir so erklärt: ETFs sind von einem Konkurs nicht betroffen, sie sind Sondervermögen. Die Aktien, die die Deutsche Bank für mich kauft, gehören mir und nicht der Bank. Bei einem synthetischen ETF wäre das wesentlich komplizierter.

    foto: dpa / gebert
    Sich um seine Steuern zu kümmern ist langweilig. Wer aber eigenhändig Geld anlegt, kommt nicht daran vorbei.

    Kaufen Sie Ihre Papiere lieber bei einem Broker, der in Österreich registriert ist. Ich habe mich für Flatex entschieden – ein deutscher Anbieter, der auch eine Lizenz für Österreich hat. Bei einem solchen müssen Sie sich um die Besteuerung nämlich nicht selbst kümmern. Die KESt, die auf Dividenden und Kursgewinne anfällt, wird automatisch abgezogen. Wenn ich nichts übersehen habe, gibt es hierzulande keinen billigeren Anbieter als flatex.at. Ich habe 275 Stück meines ETFs gekauft (zum Preis von jeweils 18,129 Euro), das hat mich 9,90 Euro gekostet. Die Spesen betragen also knapp 0,2 Prozent. Bei der Hello-Bank hätte ich fast das Doppelte bezahlt.

    Mit dem Flatex-Kundenservice habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht, sie antworten rasch und nehmen sich Zeit. Die Handy-App überzeugt mich wiederum (leider) nicht: Damit ich weiß, wie sich meine Anlage entwickelt hat, muss ich ein paar Mal klicken. Wer die ISIN seines Papiers kennt, kann es auf flatex.at innerhalb weniger Minuten kaufen.

    foto: apa afp wachucik
    Wer ein Konto bei einem Onlinebroker eröffnen möchte, kommt heute schon mit dem Handy aus.

    Noch etwas. Geben Sie acht darauf, ob Ihr Papier ein Meldefonds ist. Mein ETF ist zwar in Irland eingeschrieben, hat aber einen steuerlichen Vertreter in Österreich, ist also ein Meldefonds. Sie können das auf profitweb.at mit der ISIN checken. Das ist eine Seite der Oesterreichischen Kontrollbank AG. Wichtig ist das deshalb, weil Nicht-Meldefonds pauschal besteuert werden (Details hier). "Das ist auf jeden Fall nachteilig für den Kunden", sagt die Steuerberaterin Karin Fuhrmann von der TPA Group.

    Um mein Konto zu eröffnen, musste ich bei Flatex kein einziges Dokument einschicken. Ich habe mich mit meinem Reisepass über eine App der Deutschen Post via Video registriert. Binnen einer Woche hat mir Flatex die Zugangsdaten zugesandt.

    Sein Geld selbst zu veranlagen ist also wirklich keine Hexerei. Wer Aktien kauft, braucht aber Geduld. Mein Depot hat nach einem Tag gleich einmal mehr als ein Prozent an Wert verloren. Gestern Abend war ich dann das erste Mal im Plus: 0,01 Prozent! Ich hoffe, da geht noch ein bisschen etwas.

    Das war's also. Mein Geld ist veranlagt! Das ist aber noch lange nicht das Ende von Katsching. Nächsten Donnerstag schreibe ich über moralische Bedenken meiner Anlage. Einige von Ihnen haben im Forum geschrieben, dass sie Konzernen nie ihr Geld geben würden – oder eine Aktie generell für ethisch bedenklich halten. Warum ich das anders sehe und woher das Geld überhaupt kommt, das ich (hoffentlich) verdiene, darum geht's im nächsten Teil. Sie finden ihn hier. Wenn Sie sichergehen wollen, dass Sie künftige Beiträge nicht verpassen, können Sie sich hier für meinen Newsletter eintragen.

    Wie es mit Katsching weitergeht, entscheiden Sie mit. Künftig schreibe ich nicht mehr über meine Situation, sondern über allgemeine Finanzfragen. Was interessiert Sie noch? Worüber soll ich recherchieren? Ich nehme Ihre Anregungen gerne auf. Melden Sie sich bitte bei mir. Entweder auf Twitter, per E-Mail oder einfach hier im Forum. Was mich noch interessieren würde: Welche ETFs halten Sie denn – und warum? Wo haben Sie sie gekauft? Posten Sie im Forum. (Andreas Sator, 13.7.2017)

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    Disclaimer

    In diesem Blog schreibe ich über meine ganz persönlichen Erfahrungen. Ich habe versucht, mich bestmöglich zu informieren, bin aber kein Finanzexperte oder gar ein Anlageberater. Ich gebe in diesem Blog keine Anlagetipps. Wie man sein Geld anlegt, ist eine höchstpersönliche Angelegenheit, die eine richtige Anlage gibt es nicht. Ich bitte Sie, dies beim Lesen immer zu berücksichtigen.

    Wie ich mich informiert habe

    Im Sinne der Transparenz noch eine kurze Übersicht, wie ich mich in den vergangenen Monaten in das Thema eingearbeitet habe. Bei null musste ich nicht anfangen, ich habe Volkswirtschaft studiert, hatte also ein Basiswissen. Wie im zweiten Teil beschrieben, war ich drei Mal bei Bankberatern. Ich habe stundenlang und viele Male mit Franz Hahn, einem pensionierten Ökonomen, telefoniert. Auch Hans-Peter Burghof von der Uni Hohenheim hat mir einige Male Ratschläge erteilt genau wie Walter Hager vom Verein für Konsumenteninformation, Thomas Gehrig von der Uni Wien, Thorsten Lens von der ETH Zürich und Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau (er sitzt auch in einem ETF-Komitee der Deutschen Bank). Auch diese Basisübersicht der Arbeiterkammer hat mir geholfen. Die deutsche Stiftung Warentest hat hervorragende Übersichten und Testberichte zu Anlagefragen, ich habe sie verschlungen. Ich habe unzählige Artikel im Internet gelesen (die Links habe ich leider nirgends dokumentiert) und mit Freunden geredet, die ihr Geld selbst schon länger anlegen.

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