China lässt krebskranken Dissidenten Liu weiterhin nicht ausreisen

10. Juli 2017, 12:12
25 Postings

Krankenhaus: Liu in Lebensgefahr – Peking: Nicht in "innere Angelegenheiten" einmischen

Peking – China lässt den krebskranken Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo (61) weiterhin nicht zur Behandlung ins Ausland reisen, obwohl er nach Einschätzung deutscher und amerikanischer Experten transportfähig ist. Liu verbüßt eine Haftstrafe und wird derzeit in einer chinesischen Klinik behandelt.

Andere Staaten sollten Chinas juristische Unabhängigkeit respektieren und sich nicht in seine "inneren Angelegenheiten" einmischen, sagte ein Sprecher des Außenamtes in Peking am Montag auf die Frage von Journalisten, ob Liu ausreisen dürfe.

In Lebensgefahr

Liu leidet an metastasierendem Leberkrebs. Nach Angaben seines Krankenhauses befindet sich Liu in einem lebensbedrohlichen Zustand. Sein Tumor an der Leber sei gewachsen, und die Leber blute, teilte das Universitätskrankenhaus in Shenyang am Montag mit, in das der inhaftierte Friedensnobelpreisträger wegen seines Zustands kürzlich verlegt worden war.

Die Ärzte hätten seine Familie informiert, dass der Patient wahrscheinlich auf die Intensivstation kommen werde.

Der Bürgerrechtler war am Wochenende vom Heidelberger Krebsspezialisten Professor Markus Büchler und von dessen US-Kollegen Joseph M. Herman besucht worden. Beide kamen zu dem Ergebnis, dass der Patient für eine Behandlung in Deutschland oder den USA "grundsätzlich transportfähig" sei.

Elf Jahre Haft

Liu war 2009 wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte ein Bürgermanifest veröffentlicht. 2010 wurde ihm der Friedensnobelpreis verliehen. Wegen seiner Krebserkrankung war der 61-Jährige kürzlich aus dem Gefängnis in die Universitätsklinik der nordostchinesischen Stadt Shenyang verlegt worden. Dort steht er weiter unter Bewachung. Sowohl er als auch seine Frau wollen China verlassen. (red, APA, 10.7.2017)

  • Liu auf einem Archivbild von 2003.
    foto: ap photo

    Liu auf einem Archivbild von 2003.

Share if you care.