Austro-Start-up verspricht: Nie wieder händisch Zähne putzen

10. Juli 2017, 14:42
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Das amerikanisch-österreichische Start-up Amabrush will die herkömmliche Zahnbürste ablösen

Wien / San Francisco – Morgens und abends zehn Sekunden: Länger soll die tägliche Mundhygiene dank einer Erfindung des österreichisch-kalifornischen Jungunternehmens Amabrush nicht dauern. Die Erwartungen sind hoch. Bis 5. August läuft die Finanzierungsrunde der Entwickler auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Das angepeilte Ziel von 50.000 Euro war schnell erreicht. Knapp einen Monat vor Ablauf der Frist hat das Start-up von über 6.000 Unterstützern fast 700.000 Euro aufgestellt.

nadhira septianda
So bewirbt Amabrush seine Erfindung.

Ausgangspunkt für die Entwickler von Amabrush ist ein Alltagsproblem. Täglich zweimal Zähne putzen, jeweils drei Minuten und bitte gründlich – sonst kommt der Zahnarzt mit dem Bohrer. Trotz dieser Folterdrohung kostet die tägliche Morgenroutine viel Überwindung. Wer sich tatsächlich daran hält, verbringt im Schnitt 108 Tage seines Lebens nur mit Zähneputzen. Jeder Zweite würde daher abends darauf verzichten, heißt es in der Kampagne des Start-ups.

Die Lösung soll das simple Gerät von Amabrush bieten. Es besteht aus einem Mundstück und einem Griff samt Batterie sowie einer Ladestation. Ersteres erinnert an einen Mundschutz für Sportler oder eine Anti-Schnarch-Schiene. Dessen U-förmige Silikonleiste ist mit schrägen Borsten besetzt, die sämtliche Zahnoberflächen simultan erreichen.

Der magnetisch haftende Griff lässt die Borsten für zehn Sekunden in hoher Frequenz vibrieren. Gleichzeitig gibt eine Speicherkapsel etwas Zahnpasta ab. Die Hände hat der Anwender dabei frei, etwa zum Schminken, Kämmen oder für ein Instagram-Selfie.

Bewährtes Geschäftsmodell

Start-ups scheitern oftmals an der Herausforderung, trotz zündender Idee laufende Einkommen zu generieren. Nachahmer mit deutlich tieferen Taschen sind eine gefährliche Konkurrenz. Weltweit Patente durchzusetzen ist für ein Jungunternehmen nicht einfach.

Kunden an sich zu binden ist daher ebenso wichtig, wie neue Käufer zu gewinnen. Das Konzept von Amabrush setzt dabei auf ein altbewährtes Geschäftsmodell, das von Kaffeemaschinen bis Druckern zum Einsatz kommt.

foto: amabrush kickstarter-kampagne
Ein Handgerät reicht für die ganze Familie. Die Bürstenaufsätze werden ausgetauscht.

In der Basisvariante erhalten Unterstützer ein Gerät um 79 Euro. Erfahrungsgemäß passen sich die Preise von erfolgreichen Crowdfunding-Projekten langfristig an die Nachfrage und die Möglichkeit zur Massenfertigung an. Der Verkauf des Geräts ist nur Teil der erhofften Erlösquellen.

Als Geschäftsprinzip folgt Amabrush gleich doppelt dem Rasierklingenmodell, das auf King Camp Gillette, den Gründer der gleichnamigen Firma, zurückgeht: Ein robustes, langlebiges Gerät mit einer Wechselkomponente, die sich abnutzt und vom Konsumenten in regelmäßigen Abständen nachgekauft werden muss.

Eigene Zahnpastakapseln

Bei dem neuen Zahnhygienegerät sollte der Mundteil aus Silikon alle drei bis sechs Monate erneuert werden. Das entspricht der Abnutzungsdauer herkömmlicher Zahnbürsten oder den Aufsätzen von elektrischen Zahnbürsten. Bei Amabrush gibt es jedoch auch eigene Zahnpastakapseln. Diese halten einen Monat und kosten drei Euro.

Per App lassen sich neuen Aufsätze und Kapseln nachbestellen oder gleich ein Abonnement einrichten. Aus jedem Neukunden wird potenziell eine stetige Einnahmequelle.

Auslieferung im Dezember

Auf Wunsch der Crowdfunding-Investoren wird das Start-up eine Bluetooth-Verbindung einbauen. Damit sollen etwa die Putzdauer und eine Massagefunktion individuell programmierbar sein.

Erste Geräte sollen heuer im Dezember verschickt werden. Vielleicht werden künftige Generationen eine Zahnbürste nur mehr von den altmodischen 2D-Digitalfotos ihrer Eltern kennen. (Leopold Stefan, 10.7.2017)

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