Gazprom will US-Markt erobern – im Fernsehen

    10. Juli 2017, 10:00
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    TV-Gesellschaften Storyworld Entertainment für Unterhaltungsformate gegründet

    Gazprom Media expandiert in die USA. Russlands größter Medienkonzern, Tochtergesellschaft des kremlnahen Energieriesen Gazprom, hat zwei TV-Gesellschaften in Kalifornien gegründet. Beide heißen Storyworld Entertainment, die eine sitzt in Santa Monica, die andere in Beverly Hills. Beide Unternehmen sollen Unterhaltungssendungen für den amerikanischen Markt produzieren.

    Gazprom Media kontrolliert in Russland 38 Fernsehsender, zehn Radiostationen, vier Verlage, einen eigenen Satellitenbetreiber, mehrere Kinoproduktionen und dutzende Online-Portale. Zu den bekanntesten Medien des Konzerns gehören der Radiosender Echo Moskaus und die landesweit ausgestrahlten TV-Kanäle NTW und TNT, die allesamt 2001 im Zuge der ersten Medienkampagne Wladimir Putins dem Oligarchen Wladimir Gussinski abgeknöpft und dem kremlnahen Konzern Gazprom unterstellt wurden.

    Fünf Prozent für Medienmanager Petrenko

    Als Vorbild für die TV-Produktionen in den USA dient offenbar der Sender TNT, der sich ausschließlich auf die Ausstrahlung von Unterhaltungsprogrammen konzentriert. Mit Roman Petrenko wurde bei Storyworld auch der ehemalige TNT-Generaldirektor installiert. Petrenko gilt als einer der erfolgreichsten Medienmanager Russlands. In seiner Amtszeit von 2002 bis 2013 konnte er die Zuschauerzahlen vervielfachen und den Sender in die Top-5 in Russland führen. Am neuen Projekt wird Petrenko mit einem Anteil von fünf Prozent bedacht, die übrigen 95 Prozent hält Gazprom Media über eine Briefkastenfirma in Zypern.

    "Wir versuchen etwas für das weltweite Publikum zu machen. Sowohl originale Projekte, als auch Projekte, die auf TNT-Formaten beruhen – solchen, die im globalen Maßstab realisiert werden können", erläuterte Alexander Dulerain, bisher leitender Producer bei TNT und nun rechte Hand Petrenkos, das Konzept von Storyworld. Unklar ist noch, ob TNT damit selbst eine Expansion in den Westen vorbereitet, oder ob die Serien und Talk-Shows an einen Partnersender verkauft werden sollen.

    Kaum russische TV-Formate im Ausland

    Bisher lassen sich russische TV-Formate nur schwer im Ausland verkaufen. Ausnahmen der jüngeren Vergangenheit sind die Dramaserie "Mata Hari", die der staatliche "1. Kanal" gleich in englischer Sprache mit zahlreichen ausländischen Schauspielern produzierte und in immerhin 30 Ländern absetzte. Zuletzt hat zudem Netflix die Rechte an einer russischen Krimiserie gekauft, die unter dem Namen "Silver Spoon" angelaufen ist und über einen geläuterten Oligarchensohn in den Reihen der russischen Polizei erzählt.

    Für TNT selbst hingegen sind die USA absolutes Neuland. Doch nicht nur aus diesem Grund ist das Unternehmen für den Konzern durchaus riskant: Seit September 2016 steht Gazprom Media – wie eine Reihe anderer Gazprom-Tochtergesellschaften – nämlich auf der Sanktionsliste des US-Finanzministeriums. "Russland provoziert weiter Instabilität in der Ostukraine trotz ihrer Verpflichtungen von Minsk. Das Finanzministerium steht bei unseren Partnern und verurteilt Russlands Verletzung des internationalen Rechts und wir werden auch weiterhin diejenigen sanktionieren, die den Frieden, die Sicherheit und die Souveränität der Ukraine gefährden", begründete der Leiter des Amts für die Kontrolle von Auslandsvermögen beim Finanzamt John Smith den Schritt damals.

    RT und Sputnik im Fokus

    Und auch für andere kremlnahe Fernsehsender wurde es zuletzt zunehmend ungemütlich in Washington. Nach den Vorwürfen über eine russische Einmischung in den US-Wahlkampf hat sich der US-Senat nämlich den Sender RT (früher Russia Today) und das Nachrichtenportal Sputnik vorgeknöpft. Beide wurden beschuldigt, einen Informationskrieg zu führen. Es wurde sogar ein Gesetzentwurf in das Parlament eingebracht, der die beiden Medien dazu verpflichten sollte, sich als "Auslandsagenten" zu registrieren und ihre Aktivitäten dem Justizministerium darzulegen. RT-Generaldirektorin Margarita Simonjan klagte daraufhin über einen grassierenden McCarthyismus in den USA. Wenn es so weiter gehe, würden "unsere Journalisten an öffentlichen Orten erschossen", sagte sie.

    Allerdings herrscht nicht allein in Washington gegenüber russischen Auslandsmedien Ablehnung. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kritisierte bei seinem ersten Treffen mit Russlands Präsident Putin die Journalisten von RT und Sputnik als "Werkzeuge der Einflussnahme und Propaganda", nachdem im Wahlkampf auf beiden Medien Behauptungen aufgestellt wurden, Macron sei homosexuell. (André Ballin aus Moskau, 10.7.2017)

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